Deutschlands mit dem Bolschewismus Frieden schließen. Also eine Verschwörung gegen den deutschen Sieg. Und wo werden die mysteriösen Dokumente des Verrats gefunden? In dem Rosenholz-Schreibtisch der geborenen Gräfin, in der Luxusvilla dieser vornehmen Dame, die sich das Heil Europas vom Prolet- kult Moskaus verspricht.“
Er hält inne und horcht in sich hinein. War das nicht gut? Es war ausgezeichnet, er ist mit sich zufrieden. Das macht ihm so leicht keiner nach. Noch vor der Personalienaufnahme die ganze Quintessenz des Falles in so brillanter journalistischer Zuspitzung. Tja, dieser Herr Schultze-Pfaelzer soll sich doch nicht etwa einbilden, wir könnten so was nicht. Wir können das auch und noch viel mehr!
Das alles lese ich in Freislers Mienenspiel. Gewiß, er macht es sehr gut, aber man merkt es zu gut, er ist gleich zu tausend- prozentig, zu direkt, man darf nicht gleich alles verpulvern, was man in der Jagdtasche hat, Herr Freisler!
Der Oberreichsanwalt sieht vergrämt in die Akten und tut als einziger so, als höre er nichts. Er denkt wohl, im Grunde ist dieser Freisler doch unmöglich, er ist eben nur ein routinier- ter Conferencier, aber kein Senatspräsident.
Jetzt erst kommen die Feststellungen zur Person. Freisler haspelt das meiste wie lästige Kleinigkeiten herunter, als wolle er mit seiner Atemtechnik prahlen. Formalitäten haben für ihn nur dann Bedeutung, wenn er sie zur Pointierung seiner foren- sischen Rolle gebrauchen kann. ‚Was machten Sie bei Hinden- burg? Wie haben Sie sich ihm die ganzen Jahre über auf- gedrängt?“.
„Von Aufdrängen kann keine Rede sein. Ich wurde berufen. Jedenfalls bin ich ganz ahnungslos, worauf Sie hinauswollen—“ Meine Stimme quietscht wie eine Tür, die lange Zeit, nicht geöffnet wurde.
„Schweigen Sie!“ kreischt der Präsident.„Sie haben hier nur zu reden, wenn Sie gefragt werden.— Ahnungslos sagen Sie. Oho, Sie sind kein ahnungsloser Engel! Wie wenig zuverlässig Sie als Mitarbeiter des Herrn Reichspräsidenten gewesen sind — dafür haben wir einen schlagenden Beweis in den Akten. Sie mußten unmittelbar nach dem Ableben des verewigten Herrn Feldmarschalls in seinem Schlosse Neudeck von der Ge- heimen Staatspolizei verhaftet werden. Sie mußten verhaftet werden,— ja, Angeklagter, spielen Sie mir bloß nicht den Ahnungslosen—. Sie wurden verhaftet, weil Sie in dem
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