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Hinter ihm, dem Priester der Gewalt, erscheinen in gemessenen Abständen die Beamten, die Herren Volksgerichtsräte. Ihnen faltet sich die rote Robe durchaus nicht so selbstverständlich um ihre gut sortierten Glieder, sie sehen knallig kostümiert aus, weil sie keine geborenen Kostümmenschen sind, sondern nur Funktionäre des Alltags.
Dem einen ragt trotz dieser platzenden Zeiten und des tödlichen Geschäfts ein gemütvolles Kugelbäuchlein zwischen den roten Schößen der Robe heraus. Dem andern perlen ordinäre Schweißtropfen auf der richterlichen Stirn; warum nur, hier ist's doch nicht heiß, und es geht ja auch noch gar nicht heiß her. Oder tröpfelt bei Ihnen die Angst? Sie kneifen die Auglein halb zu, als wollten Sie lieber mit Gottes Hilfe auch ins nächste Zeitalter erfolgreich hinüberzwinkern. Keine Bange, Herr Volksgerichtsrat! Sollte es nächstens ein wirkliches Volksgericht geben, dann sagen Sie einfach: Ich bin niemals Nazi gewesen, ich war immer dagegen. Ich habe regelmäßig geschlafen, wenn über Todesurteile geredet wurde. Ich war doch nur Beischläfer. Fragen Sie meine Frau. Als die neulich nachts ins Kissen stöhnte, der Hitler sei doch nicht normal, da zeigte ich sie nicht an, sondern brummte nur: Sei doch ruhig, Lieschen wenn man Gehalt nach Sonderklasse bezieht, hat man höhere Pflichten- Entschuldigen Sie, ich schwitze schon!
Das alles und noch mehr galoppiert mir in wenigen Stoppuhr- Minuten übers grüne Feld der Phantasie. Denn ich bin ein Rennreiter, und auf den Fersen sitzt mir der Tod.
Aber Achtung, da kommt er, der höchste Ankläger in den deutschen Schlachthöfen, der Herr Oberreichsanwalt. Sein Name tut nichts zur Sache, denn er will nur eherne Sache sein. Er hat doch von sich selber gesagt, er sei nur eine ungeheure Maschine, die kein Mitleid kennt. So erwarte ich also einen ungeheuren Nußknacker mit stählernen Kugellagern, einen gewaltigen Zerreißautomaten. Aber da bin ich ein wenig enttäuscht. Er läßt seinen markigen Kopf herabhängen, als sitze der auch nicht mehr ganz fest auf den Schultern. Er zwingt sich zu federnden Bewegungen, doch seine gespreizte Figur ist etwas erschlafft, und so wirkt sein Auftreten etwa wie das eines tänzelnden alten Herrn, der eine Polonaise anführt. Sein rotes Mäntelchen ist schon abgeschabt, steht ihm aber gut, und es hängt vorzüglich nach dem Winde. In Potsdam soll er eine schöne Freundin haben, so erzählt der Gesellschaftsklatsch, die treulose Frau eines Admirals, der lieber in See sticht. So was
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2 Kampf
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