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ihren Ausgang vor dem Tor des Turmes A und endeten fünf Minuten später in der Gaskammer. Im Krankenbau herrschte verzweifelte Stimmung. Ein Beauftragter Himmlers war erschienen und bestimmte an Hand der Krankentabellen die Opfer für die ,, Station Z". Eine Angstpsychose, die sich bald über das ganze Lager verbreitete, hatte Kranke, Pfleger und Ärzte gepackt.
Eine eigene Lichtleitung nach dem Industriehof wurde gelegt und gab dem Gerücht von bevorstehenden weiteren Massenabschlachtungen neue Nahrung.
Der krampfhafte Versuch, sich durch möglichst harmlose Gespräche der dumpf lastenden Furcht vor dem Kommenden zu erwehren, kam über den ersten Ansatz nicht hinaus und machte durch sein jähes Versagen alles noch gespenstischer und grauenvoller. Stumme, fragende Blicke, auf die es keine Antwort gab, begegneten einem überall, und von Stunde zu Stunde sank die Hoffnung um einen Strich tiefer, rückte das Bild einer längst unwahrscheinlich gewordenen Welt weiter von mir weg, bis es völlig im Dunkel verschwand.
Im Februar erhielten die Verwaltungsbetriebe des Lagers den Auftrag zur sofortigen Vernichtung sämtlicher Akten, Karteien, Listen, Korrespondenzen, Baupläne usw.
Die Zivilkleider sämtlicher Häftlinge wurden nach BergenBelsen geschafft.
Die Belegschaft des Arbeitskommandos Krematorium wurde verdoppelt. An einem grauen und kalten Wintermorgen im Januar 45 hörten wir zum erstenmal von Erschieẞungen politischer Häftlinge, die bis dahin an verschiedenen Verwaltungsstellen tätig gewesen und als„ Geheimnisträger" gegolten hatten.
Wir alle waren solche Geheimnisträger.
In der Nacht hatte man sie aus den Baracken geholt und in den Industriehof geführt. Einige wollten fliehen. Sie wurden niedergemacht. Die Schüsse gingen durch die Wände der im Kommandanturbereich gelegenen Baracke des Arbeitseinsatzes. Eines der Geschosse schlug dicht über meinem Arbeitsplatz in den Schutzkasten einer Schreibmaschine.
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