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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Bewährungsformation, die für den rücksichtslosesten Einsatz in vorderster Linie und hauptsächlich zum Kampf gegen Partisanen ausersehen war, zu kommandieren. Da der Chef dieses im vorhinein verlorenen Haufens gewiß nichts anderes war als ein ausgemachter Gauner, sollte nach Ansicht der obersten SS- Führung auch seine Division nur aus Gau­nern bestehen. In Wirklichkeit gehörten ihr aber auch sehr viele höchst ehrenwerte Männer an, Soldaten, die sich auf diese oder jene Weise der Wahnsinnsstrategie Adolf Hitlers widersetzt hatten und vom Militärgericht zu längeren Frei­heitsstrafen, ja sogar zum Tode verurteilt worden waren. Da man aber nicht einsah, weshalb diese ,, ehrlosen Gesellen", die sich für das Wohlergehen der oberen Parteigrößen nicht opfern wollten, keinen Teil haben sollten an den Schreck­nissen des Krieges, steckte man sie in die Division Dirle­wanger, wo ihnen noch einmal Gelegenheit geboten werden sollte, sich durch" Tapferkeit vor dem Feind" auszuzeich­nen und als ehrenwerte Soldaten zu sterben. Denn sterben mußten sie wohl dafür sorgten schon die Feldgendarmerie der SS und die oberste Heeresleitung.

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Zu diesem Himmelfahrtshaufen durften sich also im Som­mer 1943 auch alle Träger eines grünen Winkels melden. Viele meldeten sich. Ob dabei vaterländische Interessen maßgeblich waren oder die vage Hoffnung, auf diese Weise die Freiheit wiederzuerlangen, will ich hier nicht unter­suchen. Im August 1943 verließen etwa 300 Berufsverbrecher in SS - Uniformen das Lager und wurden ohne Waffen und unter ausgiebiger Bewachung zur Division gebracht.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit und angeregt durch das reizende Quidproquo in der Verwandlung von Berufs­verbrechern in SS - Männer ein paar aufklärende Worte über das Verhältnis der politischen Häftlinge zu den krim !- nellen einschalten. Die Vorstellungen, die über diesen Punkt in der Öffentlichkeit kursieren, decken sich in vielen Fällen nicht mit dem wahren Sachverhalt. Übertreibungen in Rich­tung beider Möglichkeiten trüben das Bild bald zuungunsten der einen, bald zum Nachteil der anderen Partei. Die aller­orts verbreitete Meinung, daß sämtliche im Konzentrations­

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