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Verräter verheerend am Werk
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Wenige Wochen bevor die in den vorigen Kapiteln geschilderten Besserungen unsere äußere Lage beeinflußten, waren die bis dahin tätigen Häftlinge der Lager- Schreibstube und anderer Kommandostellen ihrer Ämter enthoben worden. Aus Gründen, die jeder Logik entbehrten und die man einfach konstruierte, weil man die wirklichen Ursachen nicht nennen wollte, wurden Häftlinge wie Harry Naujoks, Albert. Buchmann, Rudi Grosse, Karl Schirdewan, Wilhelm Girnus, Fritz Selbmann, Werner Starke und andere, die sich um das Lager zu unseren Gunsten sehr verdient gemacht hatten, eines Tages verhaftet", in den Zellenbau gesperrt und nach Verlauf von 8 Wochen Dunkelarrest in das berüchtigte Steinbruchlager Flossenbürg „ strafversetzt". Als Vorwurf wurde gegen sie erhoben, einer Konspiration kommunistischer Elemente führend anzugehören und eine Art Häftlingsfürsorge im Sinne der„ Roten Hilfe" ins Leben gerufen zu haben. Die Gründe, aus denen man diese Männer vernichten wollte, wurzelten in der Tatsache, daß keiner von ihnen bereit war, sich für die Interessen der SS, also gegen das Lager, gebrauchen zu lassen. Das schnöde Ansinnen, als„ verlängerter Arm der SS" Verrat zu üben an den Interessen ihrer Mithäftlinge, hatte sich diesen Männern gegenüber als fruchtlos erwiesen. Da man aber, unter Berücksichtigung der für das Lager geplanten Neuerungen, unbedingt einige Kreaturen benötigte, die bereit waren, die Stimmung im Lager zu überwachen und eventuell aufflackernde Widerstandsbewegungen sofort nach oben" zu melden, mußten die Genannten, die dazu nicht zu gebrauchen waren, entfernt und durch willigere Personen ersetzt werden. Im Vernichtungslager Flossenbürg sollten diese achtzehn Häftlinge, die zur besonderen Charakterisierung einen blauen Punkt auf ihren Jacken tragen mußten, langsam zugrunde gehen, und nur durch eine bei
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