wurde, begründete diese Annahme hinreichend. Meine Vermutung, daß die Fertigstellung dieses Lagers mit dem Zeitpunkt irgendeiner geplanten Aktion zusammenfallen sollte, wurde auch noch durch andere Anzeichen bestätigt. Fortgesetzte Überwachung der Bauarbeiten durch Bauführer, die nicht zum Oranienburger Baustab, sondern zur Zentralbauleitung Berlin gehörten, der strikte Befehl, die Zentralbehörde durch wöchentliche Bauberichte vom Stand und Fortschritt der Arbeiten laufend zu unterrichten, die Belehnung des Bauwerks mit der höchsten Dringlichkeitsstufe alle diese Symptome ließen obige Schlüsse zu, ohne daß man Gefahr lief, daneben zu raten. Als im Mai 1944 dieses Bauwerk erst zu etwa 70 Prozent fertiggestellt war und auch keine Hoffnung mehr bestand, daß es zu dem angesetzten Termin übergabereif sein würde, erreichte die Nervosität der ausführenden Organe ihren Höhepunkt. Glücklicherweise lag die Schuld der Nichterfüllung der von der Zentralbauleitung gestellten Bedingungen nicht auf seiten der Häftlinge, Ein nicht mehr zu behebender Materialmangel war die Ursache. Die Arbeiten mußten oft wochenlang eingestellt werden, da das erforderliche Material hauptsächlich Installationsmaterial
-
-
nicht mehr angeliefert werden konnte.
Das Merkwürdigste an diesem Vorgang war, daß nach dem 20. Juli 1944, also nach dem Tag des Attentats auf Adolf Hitler , in dessen Hauptquartier, kein, aber auch nicht mehr das geringste Interesse an der Fertigstellung des Lagers bestand. Ob hier ein korrelativer Zusammenhang bestand zwischen den Anstrengungen hier und dem Vorkommnis dort, kann ich nicht beurteilen.
Das letzte seltsame Bauwerk, das noch während der Zeit meiner Tätigkeit im Baubüro in Auftrag gegeben wurde, war ein Lagerbordell. Im Frühjahr 1944 wurde es unter der Bauwerksbezeichnung„ Sonderbau B" in Angriff genommen und im Juli des gleichen Jahres fertiggestellt. Es bestand aus einer geräumigen, ziemlich sorgfältig ausgeführten Baracke mit allen für den besonderen Zweck eines solchen Gebäudes erforderlichen Räumen, sanitären und hygienischen Einrichtungen. Als Haus der Freude(!) diente es später zehn weib
154


