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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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XXI

Wenn Hitler gesiegt hätte?

Die ,, Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H.", der ich von Ok­tober 1942 bis zum März 1943 als Bürosklave angehörte, war ein Rüstungsbetrieb und unterstand als solcher der Kontrolle durch die Wehrmacht bzw. SS. Er beschäftigte sich mit der Das Reparatur und Neuanfertigung von Sperrballonen. Hauptwerk befand sich in Friedrichshafen am Bodensee . Der bekannte Konstrukteur Dr. Dürr kam zur Eröffnung des Zweigwerkes persönlich nach Oranienburg und rief auch uns Häftlingen einige ermunternde Worte zu. Als Chef des Unter­nehmens fungierten die Herren Strobl, Möller und Langer, als Büroleiter ein Herr namens Pührer. Dieser letztere war mein direkter Vorgesetzter; ich freue mich, ihm das Zeugnis ausstellen zu dürfen, daß er viel Verständnis für uns Häft­linge zeigte. Er gehörte nicht zu jenen Unentwegten, die in einem Konzentrationslagerinsassen unter allen Umständen einen Verbrecher zu sehen beliebten. Er verschaffte mir eine Reihe von Erleichterungen, war stets außerordentlich höflich und zuvorkommend und ließ mich nie das Drückende meines ,, Standes" durch ein überhebliches Benehmen, wie ein solches Herrn Strobl eigen war, fühlen. Wir arbeiteten sehr gut miteinander, und wenn mein Interesse an der Reparatur von Sperrballonen auch nur sehr gering war, so tat ich doch mein möglichstes, um die Stellung zu halten. Ich war den ganzen Tag vom Lager abwesend, hatte einen hellen und warmen Büroraum, einen lieben Kameraden in der Person des später einer gemeinen Intrige zum Opfer gefallenen Kommunisten Bruno Leuschner und den Umgang mit Zivil­personen, die mir etwas von der Welt da draußen erzählen konnten und uns auf dem laufenden hielten über die Ent­wicklung der militärischen und politischen Dinge.

Im übrigen hatte ich den Eindruck, daß das Reparaturwerk, in dessen Verwaltung ich saß, seinen Zweck in einem nur sehr

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