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Profite der Sklavenausbeutung
Zu derselben Zeit, da durch die Eröffnung des Zweigwerkes Oranienburg der„ Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H." der industrielle Charakter des Konzentrationslagers eine Ausweitung erfuhr, machte sich im gesamten Arbeitsbereich des Lagers eine Wandlung von weittragender Bedeutung bemerkbar. Zum besseren Verständnis dieses Vorganges muß ich noch einmal auf die schon in Kapitel IX gemachten Äußerungen über die damaligen Arbeitsverhältnisse im Lager zu sprechen kommen. Ich verweise dabei auf den Bericht über das Klinkerwerk und bemerke ergänzend, daß die dort geschilderten Zustände ihren Charakter nur so lange erhalten konnten, als sie von den entwicklungsbedingten Einflüssen der Kriegswirtschaft unberührt blieben. Inzwischen hatten die Ansichten über die Dauer und den erhofften Verlauf des Krieges einige Änderungen erfahren. Der Feldzug gegen Rußland und Amerikas Eingreifen in die Ereignisse in Europa hatten die Aussichten auf eine baldige, für Deutschland siegreiche Beendigung des Krieges stark beeinträchtigt. Die leichtfertige Annahme, daß Rußland kapitulieren würde, verlor von Monat zu Monat an Wahrscheinlichkeit; die unverkennbare Tatsache, daß man sich über das Kriegspotential des Gegners in verhängnisvoller Weise getäuscht hatte, zwang zu gewaltigen Anstrengungen, die schließlich zur verzweifelten Proklamation des„ totalen Krieges" und des totalen Arbeitseinsatzes führten.
Wie alle Wirtschaftsbetriebe im Reich, mußten auch die in den Konzentrationslagern untergebrachten die verschiedenen, durch die Fortsetzung des Krieges verursachten Bewegungen mitmachen, was zur Folge hatte, daß der eigentliche Zweck jener Lager nicht mehr in vollem Maß erfüllt werden konnte. Man fing an zu begreifen, daß die planmäßige Vernichtung von Arbeitskräften allmählich zu einem progressiven Verstoß
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