machte, kam uns nie so stark zu Bewußtsein wie unter dem Regime Loritz. Die Zahl der Häftlinge, die ,, auf der Flucht" erschossen wurden, mehrte sich. Die SS machte sich einen Spaß daraus, Häftlinge, die mit den robusten Gepflogenheiten der Lagerbewachung noch nicht vertraut waren, über die Postenkette zu jagen, indem sie beispielsweise dem betreffenden Häftling die Mütze vom Kopf riß und in weitem Bogen fortschleuderte. Auf den Befehl, die Mütze wiederzuholen, rannte der Ahnungslose in die entsprechende Richtung, geriet dabei über die Postenlinie und bekam, ehe er sich's versah, eine Kugel in den Leib. Auf der Flucht erschossen! Menschen, die auf diese ruchlose Art ums Leben gebracht worden waren, wurden rechts oder links vom Tor niedergelegt, wo man ihnen ein Schild auf die Brust band mit der Aufschrift:„ Auf der Flucht erschossen!"
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An einem Sonntag im März 1942 standen zwei russische Kriegsgefangene aus irgendeinem Grund vor dem Turm A, in Nähe des Fensters der Blockführerstube. Nachmittags gegen 3 Uhr hörte man plötzlich einen Schuß und sah einen der Gefangenen zu Boden stürzen. Zwei Sekunden später fiel wieder ein Schuß, und auch der andere Russe sank leblos um. Viele Stunden lagen die beiden Leichen am Tor. Was waren die Gründe zu dieser spontanen Exekution? Ein Scharführer hatte sich das kleine Sonntagsvergnügen geleistet und, aus dem Innern der Blockführerstube schießend, die beiden Russen umgelegt". Wer zog ihn dafür zur Rechenschaft? Niemand! Im Gegenteil, vielleicht gratulierte ihm der Kommandant Loritz am Abend dieses Tages zu dem Schießerfolg. Schießübungen dieser Art veranstaltete mit Vorliebe der SS- Unterscharführer Schubert, ein kleiner, schlanker Mensch mit krankhaft fanatischen Zügen, der bei jeder Gelegenheit zur Pistole griff und ohne weiteres schoß. Ging er nachts durch das Lager, gefiel es ihm, durch ein Barackenfenster in den Schlafraum des Blocks zu schießen. Mit welchem Erfolg das war ihm dabei völlig gleichgültig. Eine andere, vielversprechende Einrichtung ging unter Loritz ihrer Vollendung, das heißt ihrer Inbetriebnahme entgegen: der Hundezwinger Oranienburg. In dieser Anstalt wurden
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