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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
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bar gemacht hatten und deren Beseitigung man für erfor- derlich hielt; ferner Häftlinge mit Sittlichkeitsdelikten, sehr viele Juden und Bibelforscher, aber auch Häftlinge ohne alle Vorstrafen oder Kameraden, die sich in irgendeiner Weise gegen die Lagerordnung vengansen hatten. Es war keine Kunst, Herrn Perrunje in die Hände zu fallen; ein unbe- dachtes Wort konnte schon der Anlaß dazu werden. Kom- mandeure dieses grausamen Instituts waren die SS-Schar- führer Knittler, Kayser und Fickert, von denen sich nament- lich die letzteren zwei durch ihre beispiellose Roheit aus- zeichneten.

Später, in der zweiten und dritten Periode der Häftlings- behandlung, ließen auch hier die Exzesse etwas nach. Die Häftlinge der Strafkompanie wurden fast nur noch als Schuhläufer verwendet, das heißt, sie mußten im Auftrag derGesellschaft für Wirtschaftsausbau Kunstsohlen ein- laufen. Es wurden zu diesem Zweck eigene Prüfstrecken mit unterschiedlichem Straßenbelag gebaut. Diese Prüf- strecken zogen sich um den ganzen Appellplatz und mußten von den Schuhläufern so lange begangen werden, bis die von derGesellschaft für Wirtschaftsausbau geforderte Strecke von 40 Kilometern zurückgelegt war.

Es ist schade, daß weder Böhm noch Perrunje als Kronzeugen für ihre schaurigen Taten auftreten können. Böhm starb am Flecktyphus im Zellenbau des Lagers unmittelbar nach Beendigung der in einem späteren Kapitel geschilderten großen Massenexekution russischer Kriegsgefangener, an der er als Krematoriumsvorarbeiter wesentlich beteiligt war und Perrunje sah man drei Jahre später an einem: Strick hängen, kurz vor der Besetzung Oranienburgs durch russische Truppen.

Beide, Böhm und Perrunje, waren im Grunde nur Hand- langer, Tagelöhner des Mords im Dienste von Verbrechern, die das deutsche Volk als die Retter Europas pries.

.Es wird eine Technik der Entvölkerung entwickelt werden müssen! hatte Adolf Hitler im Frühjahr 1934 gesagt, als man ihn über seine Kolonisationsabsichten imOstraum

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