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zum ehrenden Gedächtnis jenes Metallarbeiters Paul Gmeiner aus Hannover , der am 18. April 1944 einem Luftangriff auf das Flugzeugwerk Heinkel in Oranienburg zum Opfer fiel, gerne zugeben, daß es auch unter den Blockältesten des Lagers Ehrenmänner gab, Menschen mit einem stark aus- geprägten Gerechtigkeitssinn, die es fertigbrachten, uns durch ihre kluge und anständige Führung die Pein des Lagerlebens wenigstens auf Stunden vergessen zu lassen.
Es lag in der dem Lager eigenen Verwaltungsart, daß ein- zelne Häftlinge Machtbefugnisse erlangten, die ein sehr hohes Verantwortungsgefühl und eine sehr saubere Gesinnung voraussetzten, sollten sie nicht der Anlaß zu einer bedenk- lichen Korruption werden. Leider waren dieses Verantwor- tungsgefühl und diese Gesinnung nicht immer vorhanden, Rechnet man dazu den mißlichen Umstand, daß die Lager- führung alles unterstützte, was zur Herabminderung der Lagermoral beitrug, daß sie, zum Beispiel, gar nichts dagegen hatte, wenn ein in ihrem Sinne wirkender Häftling einen anderen totschlug— so wird man begreifen, daß sich im Lager mitunter Dinge abspielten, die den Charakter und menschlichen Wert gewisser Häftlinge in ein wenig günstiges Licht rückten. Und dennoch war es in vielen Fällen nicht die Alleinschuld solcher Häftlinge, wenn sie Unheil über Unheil anrichteten. Das Übel lag in dem von der SS hochgezüchteten System, das sich in einer raffiniert ausgeklügelten Weise der menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten bediente, um das Einigkeitsbestreben der Häftlinge zu durchkreuzen. Da die interne Verwaltung des Lagers ganz in den Händen von Häftlingen lag, konnte hier ein verantwortungsbereiter Lagerältester immerhin etwas zur Steuerung der von der SS gebillisten Demoralisation beitragen. Leicht war das nicht, denn es war vor allen Dingen nicht ungefährlich. Jedenfalls setzte es einen ganzen Mann und einen tüchtigen Diplomaten voraus. Einen solchen hatte das Lager mehrere Jahre lang in der Person eines langjährigen politischen Häftlings namen» Harry Naujoks , eines für sein schweres Amt überaus befähig- ten und: gerechten Mannes. Ihm zur Seite standen helfend der zweite und dritte Lagerälteste— der letztere ein„Be-


