quirenten, den Herren Grimm und Baer , jedoch miẞverstanden und als eine Art stummes Zugeständnis an die Richtigkeit ihrer Vorwürfe angesehen wurde. Glücklicherweise fanden nur drei solche Verhöre statt. Nach dem dritten erklärte man mir, daß man über mich nun völlig im Bilde sei und daß ich mich auf einen baldigen„ Abtransport" gefaßt machen müsse,
Meine Gefängnistage verbrachte ich lesend, schreibend, rauchend und essend. Zweimal bekam ich Gesellschaft in Person von anderen Opfern der Gestapo . Einmal war es ein junger Flugzeugtechniker, den man der Sabotage bezichtigte, das andere Mal ein Baugeschäftsinhaber, dem man das Abhören ausländischer Sender zur Last legte. Mit ihnen spielte ich Schach , oder wir erzählten uns wechselseitig unsere Verhaftungsgeschichte, wobei wir allerdings darauf bedacht waren, nicht allzu offenherzig zu werden, denn die Vermutung, daß in den Wänden dieses Hauses gut versteckte Mikrofone eingebaut seien, erwies sich, wie ich später vernahm, als nicht ganz unberechtigt.
Einmal in der Woche gingen wir baden und zweimal in der Woche wurden wir rasiert, in einer eigenen Friseurstube, wo ich zu meiner Überraschung einen alten Bekannten von mir, den Bauingenieur Politz, traf. Welche Gründe zu seiner Verhaftung geführt hatten und welches Schicksal ihn erwartete, konnte ich damals nicht in Erfahrung bringen, da jede Unterhaltung zwischen den Gefangenen verboten war. Wir mußten uns also mit einem Händedruck begnügen und ein paar rasch geflüsterten Worten, denen ich entnahm, daß P. bereits seit vier Monaten die Gastfreundschaft dieses Hauses genoẞ. Als ich nach Verlauf von drei Wochen immer noch in der Brienner Straße saß, gab ich mich der naiven Hoffnung hin, ich könnte vielleicht den Rest" meiner Haft in diesem verhältnismäßig erträglichen Gefängnis verbringen. Diese Hoffnung erwies sich als falsch. Am 10. April änderte sich meine Lage vollkommen. Die zweite Periode meiner Malefikantenlaufbahn begann,
26


