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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Im Zellengefängnis der Geheimen Staatspolizei

Das Zellengefängnis der Geheimen Staatspolizei an der Brien- ner-Tügkenstraße war damals ein noch ziemlich neuer und verhältnismäßig sauberer Bau. Er war nicht sehr groß, bot wenig Bewegungsfreiheit und diente ausschließlich dem Durchgangsverkehr in das Lager, in die Strafanstalt, in den Tod oder in die Freiheit. Es gab große und kleine Zellen. In allen befanden sich die üblichen an der Wand hochklappbaren Metallbetten, ein Klapptisch, zwei Klappbänke, ein kleines Wandregal und ein Wasserklosett, Die Beheizung erfolgte in- direkt, das Fenster lag hoch und war unbequem zu erreichen; längeres Verweilen an diesem Fenster war überdies verboten, was mich nicht hinderte, oft stundenlang in die mir so ver- traute Türkenstraße hinüberzublicken, Erfreulicherweise hatte man mir bei meiner Einlieferung so gut wie gar nichts abge- nommen, so daß ich mir zur Beruhigung meiner Nerven wenigstens eine Zigarette anzünden konnte. Überhaupt ließ sich zunächst alles viel besser an, als ich erwartet oder viel-_ mehr befürchtet hatte. Ich durfte nicht nur meine mitgebrach- ten Zigaretten behalten, ich konnte sogar noch welche dazu- kaufen. Der diensttuende Schließer brachte mir auch eine Speisekarte und teilte mir mit, daß ich mich selbst verköstigen könne, die Hauskost bekäme ich überdies. Ferner gab es Brötchen, Magermilch, Kunsthonig, Marmelade und Bier zu kaufen.

Hier hätte der Einwand Berechtigung, daß in anderen Berich- ten über die Verhältnisse in den Gefängnissen der Gestapo wesentlich anderslautende Darstellungen gegeben werden; daß, beispielsweise, die Verhafteten bei Verhören blutig ge- schlagen oder allen möglichen Folterungen ausgesetzt wurden. Ich habe keinen Grund, solche Vorkommnisse anzuzweifeln.

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