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ihr Opfer!
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hoffnungslosen Versuchen mich - auf, ihnen doch dabei behilflich zu sein. Ich tat ihnen den Gefallen nicht und machte Einwände lediglich dort geltend, wo man mir ,, der Einfachheit halber" Absichten und Handlungen unterstellen wollte, die in Wirklichkeit niemals bestanden hatten. Nachdem auch dieser Akt, nicht ohne Mühen und Zwischenfälle, erledigt war, nahm man meine Wünsche in bezug auf die Benachrichtigung meiner Angehörigen entgegen. Dann wurde ich in Begleitung eines Beamten zum Erkennungsdienst geführt, wo ich nach gründlicher Fotografierung und Daktyloskopierung Aufnahme im Album politischer Verbrecher und Staatsfeinde fand.
Als man mich nach Beendigung dieser Prozedur über den Hof führte, auf dem früher einmal die Karossen eines bayrischen Königs paradiert hatten, überfiel mich ein Gefühl tiefster Wehmut. Da fingen die Büsche und Bäume eben an zu grünen, der Frühling kam und die liebe alte Erde schickte und ich sich wieder einmal an, schön und gastlich zu sein ging in die Gefangenschaft. Irgendwo in der Nähe, jenseits der Mauer auf der Straße, klang lustiges Kinderlachen; ich sah im Geist kleine freundliche Hände sich um einen bunten Gummiball legen und hörte das Trällern einer jungen Frau. In den Häusern gegenüber dem Zellengefängnis standen die Fenster weit offen, weißes und rotes Bettzeug sonnte sich auf den Simsen, ein frischer, würziger Duft strömte aus allem, was da im Licht der Sonne sich bewegte oder ruhte; aber das Tor zum Gefängnis verschluckte den Streifen Tag, der mich in das Innere des düsteren Bauwerks begleitete.
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