schlossen, nicht zu kapitulieren, überfiel mich in diesem‘
Augenblick das Verhängnis wie ein apokalyptisches Tier. Ich konnte mich nicht einmäl zur Wehr setzen; jeder Ver- such, mich zu erklären, blieb erfolglos— ich hätte ebensogut in einen tönennen Götzen hineinreden können und er hätte vielleicht eher geantwortet als diese durch nichts zu.bewegende Macht, die unter Verzicht auf alles, was im gewöhnlichen Strafverfahren wenigstehs den Schein der Gerechtigkeit zu wahren sucht, einen Menschen zum Tode verurteilen konnte. „Besser zehn Unschuldige töten, als einen Schuldigen ent- kommen lassen!“ hatte Herr Himmler einmal gesagt— und nach diesem Rezept wurde verfahren.
Und ich fühlte mich unschuldig! Nicht vor dem national- sozialistischen Gesetz, sondern vor mir selbst und einer In- sianz, deren das Weltgewissen anrüufende Stimme mich frei- sprach von jeder Schuld. So müßig diese Betrachtung nun auch sein mochte, sie rechtfertigte mein Verhalten und ver- lieh mir jene innere Kraft, die der Mensch in solchen Situa- tionen benötigt, um nicht schon an den äußeren Folgen seines zeitweiligen Schicksals zu scheitern.
Meine sofort nach der Verhaftung aufkommende Befürch- tung, man würde mir nun durch die bei dieser Behörde üblichen Methoden weitere Geständnisse und Aussagen er- pressen, erwies sich glücklicherweise als unbegründet. Man behandelte mich vielmehr mit einer geradezu katzenhaften Höflichkeit, bot mir Zigaretten an und erklärte lächelnd, länger als drei bis vier Monate würde meine Haft wohl kaum dauern; den Doppelsinn dieser Bemerkung konnte ich da- mals noch nicht begreifen. Man empfahl mir ferner, mich „in das Unvermeidliche zu schicken, keine Dummheiten zu machen und mich durch gute Führung auszuzeichnen!“ Anschließend an diese trostreichen Instruktionen ging man an die Abfassung eines Protokolls, bei welcher Gelegenheit ich nicht ohne Verwunderung feststellen mußte, daß diese Vertreter und Hüter der deutschen Staatsautorität völlig unfähig waren, auch nur einen einzigen halbwegs verständ- lichen Satz zu formulieren. Ohne die Verlegenheit, in der sie sich befanden, zu verbergen, forderten sie nach einigen
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