Druckschrift 
Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Kommunist und als solcher ein Staatsfeind und Hochverräter sei. Man schickte mir ferner ohne Angabe eines Absenders verbotene Druckschriften und Ausschnitte aus im Reich ver­botenen Zeitungen in die Wohnung und in die Redaktion, erwartend, ich würde dieselben in meinem Schreibtisch ver­bergen oder zu irgendeinem propagandistischen Zweck ge­brauchen. Ich trug sie aber, so wie ich sie erhalten hatte, höchst persönlich auf die Polizei und vereitelte damit die Absicht ihrer Absender. Nun führte die Behörde bei mir eine Haussuchung durch; der Erfolg war gleich Null. Man beschlagnahmte lediglich niemals werde ich den Sinn dieser Maßnahme begreifen einen Band von Springers Kunstgeschichte und einige Handzeichnungen eines Freundes und Mitarbeiters. Was immer aber auch für einen Sinn oder Zweck dieser Vorgang haben sollte, eines erreichte man da­mit auf alle Fälle; ich wurde allmählich zu einer behörd­licherseits hinreichend bekannten und verdächtigen Person und war damit der Gefahrenzone des Konzentrationslagers bedenklich nahe gerückt.

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Aber nicht nur in der Herbeischaffung derartigen konkreten Materials, dessen Beweiskraft mich irgendwann einmal zu Fall bringen mußte, leistete die Behörde Großes, auch mein Privatleben mußte sich Eingriffe gefallen lassen, die das Maß jedes bis dahin bekannten Polizeirechts überschritten. Die Zerrüttung meiner familiären Verhältnisse", womit man auf die im Jahre 1937 erfolgte Scheidung meiner Ehe an­spielte, lieferte einen neuen Vorwand zur Intensivierung der polizeilichen Arbeit. Aus mancher Not und manchem ver­wirrenden Leid, das dem Menschen aus einer seelischen Katastrophe erwächst, konstruierte man nun auch in dieser Richtung ein System von Beschuldigungen, das dem Bild, welches man von mir haben wollte, den entsprechenden Rah­men verlieh. Ohne die mindeste Rücksicht auf die Zurück­haltung des Mannes, die einen in solchen Fällen zum Schwei­gen verurteilt, wurde hier Privates und Allerpersönlichstes zum Gegenstand staatspolizeilicher Erhebungen und Erörte­rungen gemacht. Das für mich so Nachteilige daran war, daß der Abscheu vor diesem widerlichen Treiben, das jeder sach­

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