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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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tragt oder ermächtigt waren, ihre Versprechungen in die Tat umzusetzen. Ich erklärte unumwunden, daß es mir unter solchen Umständen und Bedingungen nicht möglich sei, dem Angebot näher zu treten und ging. Die Herren begriffen, daß ich an der nationalsozialistischen Kulturarbeit uninter­essiert war.

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Die Folgen zeigten sich nach wenigen Tagen. Die, Bewegung" eröffnete einen neuen Kampf gegen mich, indem sie zunächst eine in der ,, Jugend" veröffentlichte bildliche Glossierung der auf ein skurriles Germanentum zurückgeschraubten Belange der nazistischen Rassenpolitik zum Gegenstand heftiger An­würfe machte. Sie schimpfte mich ferner einen Porno­graphen und Judenknecht, weil ich eine Novelle des französi­schen Schriftstellers Maurice Decobra veröffentlicht hatte. Sie nannte mich einen Defaitisten", weil in einer Nummer der ,, Jugend" die Reproduktion einer Zeichnung des Graphikers Niedermayer- Passau erschienen war, ein Blatt, auf dem eine etwas ärmlich gekleidete Frau, eine alte Bäuerin, mit einem kleinen Jungen in einem Abteil 4. Klasse sitzend, dargestellt war. In dieser völlig tendenzlosen Zeichnung entdeckte die ,, Bewegung" die bewußte Absicht, Bestrebungen des National­sozialismus zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und Verkehrsmittel im Dritten Reich zu sabotieren und herab­zusetzen!" Diese erstaunliche Eröffnung machte mir die Poli­zei, die mich in dieser Angelegenheit aufsuchte. Ich mußte mich verantworten, mußte zu Protokoll geben, was ich mir bei Veröffentlichung dieses Blattes gedacht" hatte! Später, als man mich verhaftet hatte, tauchte auch diese verrückte und da es dort Anschuldigung wieder in meinen Akten auf nun hieß ,, hat auch durch Karikaturen von Einrichtungen des Staates und der Partei seine Gegnerschaft hinlänglich be­kundet", bekam ich immer wieder die haarsträubendsten Ansichten über die Verwerflichkeit meiner Person und meines Tuns zu hören.

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An sich wäre das alles ziemlich belanglos gewesen, hätte es für mich nicht den Nachteil gezeitigt, daß durch Anwürfe- dieser Art auch andere, weit gefährlichere Kreise auf mich und meine schriftleiterische Tätigkeit aufmerksam wurden.

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