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Nacht und Nebel : ein Sachsenhausen-Buch / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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lich bemüßigt, eine Art Freundschaftsverhältnis mit mir an­zubahnen. Sie schickte mir einen Herrn namens Klaus Fein in die Redaktion, der offenbar den Auftrag hatte, mir mitzu­teilen, daß der Redaktionsstab der Bewegung" geneigt sei, sich mit mir zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden und uns Beziehungen zu einer einflußreichen Persönlichkeit der Partei zu vermitteln, um der Jugend", deren wirtschaftliche Basis stark erschüttert war, wieder auf die Beine zu helfen. Als Verhandlungsort wurde die Pension Gisela vorgeschlagen. Dieses Angebot machte mir wenig Freude. Ich witterte die eigentlichen Absichten der Herren, die wahrscheinlich darauf hinausliefen, die Jugend" mit dem Geist der national­sozialistischen Kulturpolitik zu infizieren und das Blatt, das als Verlagsobjekt immerhin noch einigen Wert besaß, in die Hand zu bekommen. Ich äußerte diese Bedenken auch gegen­über dem Verlagsdirektor Posselt, der jedoch der Ansicht war, man müsse den Vorschlag wenigstens einmal prüfen, und mir riet, der Einladung zur Besprechung Folge zu leisten. Die Besprechung verlief völlig ergebnislos. Was die Herren von der, Bewegung" unter wirtschaftliche Hilfe verstanden, war nichts anderes als der Versuch einer plumpen Bauern­fängerei. Unter Beibehaltung gewisser äußerer Merkmale sollte die ,, Jugend" vollinhaltlich zu einer nationalsozialisti­schen Wochenschrift umgewandelt werden und aus dem bis­herigen Verlag Georg Hirth in den Parteiverlag Eher über­gehen. Selbstverständlich sollten bei dieser Gelegenheit die bisherigen Mitarbeiter geopfert und durch solche aus dem Parteilager ersetzt werden. Was meine Person betraf, so sollte ich zwar den Posten eines Schriftleiters behalten- ja, man erklärte sich sogar eventuell bereit, meine vom Verlag Georg Hirth her datierenden Gehaltsrückstände mit zu über­ich nehmen und als gerechte Forderung anzuerkennen müßte mich aber selbstverständlich mit der aktiven Mitarbeit eines mir übergeordneten Redaktionsstabes einverstanden er­klären, einer Art Überwachungsausschuß, der dafür Sorge zu tragen hätte, daß die Jugend" nicht wieder in ihre alten liberalistischen Laster zurückfiele. Ich weiß nicht, inwieweit die Herren, die mir diese Vorschläge unterbreiteten, beauf­

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