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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
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auch zu dumm vor, die Leute selbst einzeln herauszujagen. Jedenfalls verließ er den Raum und trat auf die Blockstraße, die aber völlig leer war.

Ich war ihm gefolgt. Wutschnaubend wandte er sich an mich mit der Frage, wo denn die Leute wären, worauf ich ihm erwiderte, daß ich es auch nicht wüßte und im übrigen ja für diesen Block nicht zuständig sei. Ich hielte mich nur zufällig hier auf..

In diesem Augenblick kehrte auch mein Kamerad, der Blockälteste, zurück, den er sofort das gleiche fragte. Dieser antwortete in geschickter Weise, daß er nicht verantwortlich gemacht werden könne, wenn die Leute nervös ge- worden seien. Sie hätten seinen, des Kommandanten Worten, die er vor acht Tagen an die versammelten Häftlinge richtete, geglaubt. Hier sei ihnen ver- sprochen worden, das ganze Lager, so wie es sei, im Falle des weiteren Vor- dringens der Amerikaner ihne Schaden an der Person eines jeden Häftlings zu übergeben. Wenn die Leute, da sie nun dennoch evakuiert werden sollten, mißtrauisch geworden seien und den gegebenen Befehlen nicht mehr gehorch- ten, so sei das nicht seine Schuld. 4

Mit seinen eigenen Worten geschlagen, entfernte sich dieser Strolch mit seinem Stabe, ging durch das Lagertor dem Kommandanturgebäude zu, um andere Gewaltmaßnahmen anzuordnen, die auch nicht lange auf sich warten ließen.

Dieser Mörder hatte genau acht Tage vorher dem gesamten Lager das er- wähnte Versprechen gegeben, jedoch von vornherein niemals die Absicht gehabt, es zu halten. Er wollte hierdufch lediglich die vierzig und mehr Kameraden, die am nächsten Tage aufgerufen werden sollten, um ermordet zu werden, in Sicherheit wiegen.

Wenige Minuten später stürzten zweihundert stark bewaffnete SS, jeder dazu noch mit einem dicken Knüppel in der Hand, ins Lager und trieben, was sie nur an Häftlingen habhaft werden konnten, auf den Appellplag. Dort wurden dannEvakuierungs-Transporte- zusammengestellt, die einige Zeit darauf aus dem Tor marschierten, um das gleiche Schicksal zu erleiden wie die vorher Evakuierten. Die anderen mußten noch formiert im Lager stehen bleiben und auf Abruf warten. Sie blieben aber nicht stehen, da die Furcht, ermordet zu werden, sie immer wieder in irgendwelche Verstecke trieb. Die in diesen entscheidenden Tagen von den Lagerfunktiunären unter stän- diger Bedrohung des eigenen Lebens gezeigte sabotierende Haltung den SS -Befehlen gegenüber, um Zeit und immer wieder Zeit zu gewinnen, hat vielen- Tausenden von Leidensgefährten das Leben gerettet,

So kam der 11. April.

In der vergangenen Nacht hatte, kaum einer von uns ein Auge zugetan, denn das Artilleriefeuer war so stark, daß die Baracken davon erzitterten. Als der Morgen graute, fühlte jeder, daß der entscheidende Tag gekommen war.

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