Im Lager selbst lagen Berge von Leichen. Das Krematorium und der Hof waren überfüllt, so daß man in verschiedenen Teilen des Lagers Sammel- stellen einrichtete. Leichen verhungerter Kameraden.——— Sie waren nur noch mit Haut überspannte, stinkende Skelette. Täglich kamen haufenweise dazu. Fast die Hälfte aller Blocks waren mit vor Hunger kranken und ster- benden Menschen angefüllt. Auf den Blockstraßen des Lagers brach mancher, der sich noch fortzubewegen versuchte, tot zusammen. Die Fahrer der Leichen- karren kamen nicht mehr zur Ruhe. Sie waren kaum in der Lage, den Trans- port der vor den Blocks liegenden Leichen zu den einzelnen Sammelstellen zu bewältigen.—
Von ferne das Dröhnen der Geschüte, das jeden Tag deutlicher zu hören war. Alliierte Tiefflieger umkreisten den Buchenwaldkomplex und beschossen ein- zelne Truppenteile, die sich noch unmittelbar in unserer Nähe befanden.
Das Lager selbst war noch umstellt von SS , die die Mündungen ihrer Ge- wehre und Maschinengewehre aus ihren Türmen und Deckungsgräben auf uns gerichtet hielten.
Die Spannung wuchs.
Die Masse der Lagerinsassen berührte das alles jedoch fast nicht mehr. Jeder einzelne hatte mit dem Hunger und seinen fürchterlichen Begleiterscheinungen zu kämpfen, so daß er den Ereignissen fast apathisch gegenüberstand.
In Buchenwald einmarschierende Außenkommandos, die glaubten, alle furcht- baren Strapazen nun überwunden zu haben und hier sterben oder vielleicht doch leben zu können, wurden aufs neue formiert, um in Richtung Flossen- bürg oder Dachau in Marsch gesegt zu werden. Einige hundert Meter hinter dem Lager machten schon die fußkranken, alten und körperbehinderten Häft- linge schlapp. Man brachte sie nicht ins Lager zurück, sondern schoß sie ein- fach nieder.—
Den übrigen ging es so, wie ich schon an anderer Stelle berichtete. In einem Falle kamen von einem Transport von viertausend Mann, die nach Dachau sollten, ‚sage und schreibe hicht ganz dreihundert völlig aufgeriebene Men- schen an.—
Am Sonntag, dem 8. April, erließ der SS -Kommandant Pister den Befehl, das Lager zu evakuieren. Außer den kommandierten Häftlingen, die später folgen sollten, hätte innerhalb einer Stunde alles marschmäßig auf dem Appellplat anzutreten.
Ich gehörte zu denen, die den Transportabschluß bilden sollten.
Wir kannten das„‚Evakuieren‘‘ nun schon zur Genüge!
Um in den sicheren Tod„evakuiert“ zu werden, sollten die Insassen vor ihren Blocks appellmäßig antreten, zum Appellplat marschieren, um dort in Trans- porte von je viertausend Mann eingeteilt zu werden.
Was konnten wir tun, um dem neuen geplanten Massenmord zu entgehen? Konnten wir uns diesem Befehl, der alle betraf, einfach widerseten?
Nein, das wäre Meuterei gewesen und hätte unsere sofortige Vernichtung zur
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