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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Trotz allem blieb ich ihr als Freundin treu. Ich konnte sie nicht verlassen. Sie hatte ja keinen Menschen mehr, der zu ihr hielt. Im Juni bekamen wir von der Gestapo die Mitteilung, daß du kommen würdest. Ich teilte ihr das mit. Anfänglich konnte Elfi die freudige Nachricht gar nicht glauben, dann ließ sie sich durch den Beamten überzeugen. Wochen vergingen, in denen sie wieder treu auf dich wartete. Du kamst aber nicht. Da wurde sie müde. Bei der Gestapo teilte man ihr mit, daß du überhaupt nicht mehr kommen könntest. Du seiest tot. Nach diesen Worten wies man ihr die Tür. Verweint kam die Ärmste nach Hause. Peterl tot? Ihr wurde das zuviel. Als ihr Bekannter eines Tages erfuhr, daß er versetzt werden sollte, als sie nun endgültig die Gewißheit hatte, daß auch du nicht wiederkommen könntest, packte Elfi ihre Koffer. Sie fuhr nach Hause zu ihren Eltern. Das war im vergangenen Monat, also Anfang Oktober. Seither wissen wir nichts mehr von ihr."

Mein Herz schmerzte. Ich hielt mit beiden Händen meinen Kopf und verhüllte mein Gesicht, um das Weinen zu unterdrücken. Wut und Schmerz fraßen an mir. Krank, niedergeschmettert wie ein Kind nach Prügeln, hockte ich in meinem Stuhl. Ich weinte bis zum nächsten Morgen. Das mußte sie für mich leiden? Und einen Monat vor meiner Ankunft verließ sie die Stadt? Fühlte sie denn nicht mein Kommen? Sie, die mir Treue bis zum Tod geschworen?

Was sollte nun mein Leben? Zwecklos fühlte ich es in meinen Händen liegen. Trostlos schlich jeder Tag vorbei. Ich war Gefan­gener des Schmerzes, Gefangener der Freiheit. Was tat ich da, im Friedhof meiner Hoffnungen? Der Herr hatte mich verflucht, ver­worfen, er machte mir das Leben zur Hölle, er peitschte den Leib, bis er vor seinen Füßen in Schmutz und Staub verschwand.

Er, den ich um sie zu jeder Stunde gebeten!...

Am nächsten Tage mußte ich mich bei den Behörden melden. Trotzig und kampfbereit stand ich vor ihnen, die mir täglich und stündlich den Tod gegönnt. Erst verweigerte ich den Gruß: ,, Heil Hitler !"; die Frage, ob meine Gesinnung sich geändert habe, ver­neinte ich. Dann hielt ich ihnen ihre Gemeinheiten vor und wies auf das Elend, das sie dem Volk gebracht hatten.

Früher war ich ein ,, Narr" gewesen, als ich versuchte, ihnen klarzumachen, daß der Nationalsozialismus nur Krieg bedeute, als ich ihnen offenbarte, daß dieser die Dimensionen des Weltkrieges weit übertreffen werde.

,, Heute sage ich Ihnen", fuhr ich wutentbrannt fort ,,, daß die Städte Deutschlands in Schutt und Asche zu unseren Füßen liegen, daß ihre Bewohner mit Weib und Kind, Tier und Wagen flüchten werden wie gehetzte Tiere. Sie werden zu Vernichtern unserer jahr­tausendalten Kultur, zu Schändern unserer Gelehrten und ihrer Werke. Sperren Sie mich ruhig weiter ein, bringen Sie mich um, mir ist es völlig egal", schrie ich ihnen über den Tisch zu. ,, Ich

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