sagte, daß der Häftling Nr. 78 längst zugegeben habe, mir Briefe geschrieben zu haben. Ich erklärte, ihn lieb zu haben und gab einige harmlose Briefchen zu, in denen wir aber immer wieder nur gegenseitige Liebe und Treue beteuerten. Wir waren ja auf Brieflein angewiesen, da wir uns nur sehr selten und dann nur in Gegenwart von SS- Posten sprechen konnten.
Nun sollte ich mich verpflichten, alles schriftlich festzuhalten. Da mir aber die Helden der SS nur allzu gut bekannt waren, erzählte ich meiner Mutter alles, was vorgefallen war. Sie wußte ja von meinen Beziehungen zu Selmo oder Peterle, wie ich ihn getauft hatte. Auch sie fand keinen Rat, und nun sollte ich alles meinem Vater vortragen, der seit Kriegsbeginn als Offizier bei der Wehr macht war. Er machte mir zornig seinen Standpunkt klar, setzte sich aber dann doch in seinen Wagen und fuhr zu meinem Chef. Nach einer längeren Besprechung willigte dieser ein, die Sache totzuschweigen und einschlafen zu lassen. Er gab darauf meinem Vater sein Offiziersehrenwort als SS - Führer und wir glaubten nun alles in Ordnung. Einer Schufterei, wie sie nun folgen sollte, hielten wir ihn doch nicht für fähig.
Es wurde Montag und ich ging ahnungslos ins Büro. Plötzlich wurde ich zum Chef gerufen. Dort wurde ich trotz Ehrenwort fristlos und ohne Zeugnis entlassen und die ganze Angelegenheit wurde der Gestapo gemeldet. Ich eilte sofort nach Hause, packte mit Einwilligung meiner Eltern meine Koffer und fuhr am nächsten Tag nach Graz . Mein Peterle wurde Dienstag, den 27. Juni, von SS- Posten in den Bunker abgeführt. Was weiter mit ihm geschah, weiß ich nicht. Nun bin ich also hier bei euch und warte, bis man mir mein Peterl wieder gibt!'
Wir waren mitten im Umbau unseres Hauses, erzählte meine Schwester weiter, und so konnten wir Elfi nur kurze Zeit unterbringen. Da fanden wir für sie ein Zimmerchen weiter unten im Nachbarhaus. Am Tag nach ihrer Ankunft ging Elfi ins Arbeitsamt, das ihr bei der Firma Anton Hofstätter in der Gleisdorfergasse eine Stelle zuwies. Sie hatte noch nicht lange gearbeitet, da fuhr eines Abends die Gestapo vor. Sie verhaftete Elfi und führte sie mit dem Auto fort. Man brachte sie ins Polizeigefangenhaus. Großmutter schrieb sofort einen Brief an Elfis Eltern, die gerade an einem bayrischen See zur Erholung waren. Der Brief erreichte sie also erst nach einigen Tagen.
, Rauh und kalt war die Zelle', erzählte Elfi., Von meinem kleinen Fenster aus sah ich die Gitter, hinter denen wohl auch Selmo gesessen haben mochte. Eine Vernehmung nach der anderen plagte mich. Man warf mir vor, was mir eingefallen sei, mich mit einem Verbrecher zu unterhalten und sogar zu verloben, verdächtigte mich, politische Papiere aus dem Lager geschmuggelt zu haben, und versicherte mir zuletzt, daß ich nie wieder die Freiheit erleben
12
177


