Das wurde nicht ohne Absicht angeführt, denn während der Nacht unterlag der Einbrecher dem Luftschutzgesetz und in diesem Falle wurde die Todesstrafe über ihn verhängt.
So wurde die Flucht eben angenommen und dem Reichsführer SS Heinrich Himmler gemeldet. Nach 42 Tagen torkelte der Häftling, einem vollkommen Betrunkenen gleich, endlich aus dem Bunker. Hunger war der Grund, daß er beim Gehen das Gleichgewicht nicht mehr halten konnte.
Auf dem Platz standen seit 4 Uhr früh die Häftlinge.
Am Ende der über den Platz führenden Straße stand ein Galgen.
Dem Delinquenten wurde nun vor den Zwanzigtausend das Urteil kurz und bündig verlesen:
,, Wegen Einbruch bei Verdunkelung und Flucht wurde der Häftling Nr...... zum Tode durch den Strang verurteilt. Heinrich Himmler , Reichsführer- SS."
Der Ärmste betrat nun ruhig und gelassen, mit lächelnder Miene, den Galgen, richtete sich die Schnur um den Hals selbst, winkte seinen Kameraden noch einmal zu und starb.
Genau um 6 Uhr früh war die Schau beendet.
Während der Zeremonie stand der Stab der Lagerführung mit dem Arzt breitbeinig um den Galgen und machte sich über die Gesten des Sterbenden lustig.
Anschließend stotterte der Lagerführer, von Angst und Gewissensbissen geplagt, vor den Zwanzigtausend eine kurze, meist unverständliche Rede. Worauf ihn zwanzigtausend Gesichter schmunzelnd anglotzten, als wollten sie sagen: ,, Du hängst später oben, genau so!"
Die Kolonnen marschierten darauf zur Arbeit ab und defilierten an dem Lagerführer, Richtung Ausgang, vorbei.
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Aus meinem Arbeitskommando- Kunstmaler wurde ich entlassen. Weihnachten waren vorüber. Manches Pferdchen und Spielzeug, von mir angefertigt, war vielleicht auch schon längst nicht mehr, denn die Kinder, wie wir ja alle wissen, haben solche Sachen nur kurze Zeit gern, dann werden sie in eine Ecke geworfen und vergessen. Somit war meine Arbeit für das Jahr 1941 beendet.
Brotzulage und Dach waren mir nun auch entzogen worden und ich war verurteilt, den ganzen Tag in Sturm und Schneegestöber zu stehen. ,, Stehkommando" bezeichnete man diese geistreiche Beschäftigung. Mein Gesundheitszustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Für die Nacht besaß ich eine einzige Decke! Da ich im dritten der aufeinandergestellten Betten schlief und da sich über mir der Lüftungsschacht ein kleiner Holzaufbau mit Dach-- befand, war ich bis zum Morgen mit einer zwei Zentimeter hohen Schneedecke zugedeckt. Mich fror. Anfangs schlief ich nur in
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