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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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begeben, wo nun unsere Malarbeiten abermals begannen. Leider ent­brannte zwischen dem Chef der Plantage und der Lagerführung ein furchtbarer Kampf wegen uns, die vom Arbeitskommando Berlin und von Obergruppenführer Bohl von nun an wegen unserer Kunst ge­schützt werden sollten.

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Bei irgendeiner Gelegenheit es war im April als ich für einen Kameraden, den ehemaligen Gendarmeriemajor Stillfried, zu meinem Vorgesetzten, Arbeitsführer Obersturmführer Vogt ging und für Stillfried bat, weil man diesen hochanständigen, tapferen Kame­raden durch Arbeit umbringen wollte, worauf er gegen Blockführer und Capo aufgetreten war, wurde ich, nachdem das Kommando ein­gerückt und visitiert worden war, zum Lagerführer gerufen, ver­nommen und sofort in den Bunker gesperrt. Dort wurde ich erst furchtbar geprügelt, weil ich mich für einen Kameraden, der noch dazu Baron und Offizier war, verwendet hatte. Ich war das erstemal in Dachau im Bunker!

Dieser eigentliche Arrest des Lagers befand sich hinter der südlichen Lagermauer und hatte rund 200 Zellen. Vor dem Bunker lag ein kleiner Hof, der mit einem Erschießungshof verbunden war und den im östlichen Teil ein Kugelfang abschloß. Wenn man die Tore des Lagers hinter sich hatte und im Vorhof des Bunkers war, konnte man mit gutem Gewissen sagen, daß man, solange man im Hof stand, den Mörderhänden der SS ohne Hilfe ausgeliefert war und nur mehr Himmler über sich hatte. Nachdem ich, ohne gefragt zu werden, ob ich schuldig oder unschuldig sei, geohrfeigt worden war, wies man mir eine Zelle zu, in die ich gleich darauf geführt wurde.

Die Tür fiel hinter mir ins Schloß. Ich brummte zuerst einmal vier Tage ohne einen Bissen, ohne Decke in der 22 Meter langen Zelle und wußte nicht, was man mit mir vor habe. Ich wußte ja nicht einmal, warum ich eingesperrt war! Ich schloß vollkommen mit meinem Leben ab und hoffte nicht mehr, ins Lager zurückzukehren.

Vier Tage gräßlichster Qual waren nun hinter mir! Immer wieder hörte man draußen auf dem Gang zu den Essenzeiten das Wägelchen vorüberrollen. Verschiedene Zellen wurden ausgelassen, dann kamen solche, deren Verschlag man öffnete, andere, die man nicht öffnete, und zuletzt verklang das Rollen in meinem Ohr, das ich an die Wandung der Tür preßte. Es war nicht Neugierde, sondern das ewige Horchen des lebendig Begrabenen. Welch erschütternder Jammer sich in mir erhob und meine Pulse beschleunigte, vermag kein Mensch auch nur annähernd zu ermessen. Hunger, Angst, Ungewiß­heit, himmelhoch flammender Lebenstrieb, ewiger Daseinsdrang einer noch nicht ermatteten Menschenkraft dürften wohl die Hauptgründe für die in solchen Fällen auftretende Zerschmetterung sein. Das größte Übel in solchen Situationen ist das Bild der Vergangenheit, die Erinnerung, an der man zu tragen hat. Welch verfluchte Geister diese Seelenfolter verursachen, kommt einem erst dann zu Bewußt­

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