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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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SS- Unterkunft einzurichten. Wir wurden wüst angetrieben. Erst schleppten zwei Mann ein Bett, dann ging es zu langsam, und nun mußte jeder ein Bett auf den Rücken nehmen und den Weg von der SS - Unterkunft in das Lager im Laufschritt zurücklegen. Am Abend lehnte man, zu Tode erschöpft, an der Wand. Wir glaubten nun, end­lich einmal essen zu können, aber das wurde uns untersagt. Wir mußten vielmehr die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag arbeiten und bekamen erst zu Mittag ein Stück Brot, ein Stück ,, Sülze " und eine Schale Kaffee. Wir mußten das Essen hastig hinunterschlingen und sofort wieder die Arbeit aufnehmen. Dann ging es weiter den ganzen Nachmittag, die ganze Nacht hindurch, den ganzen folgenden Tag und wieder die ganze Nacht. Dann erst durften wir in das Glashaus Nr. 3 einrücken.

Hautfetzen hingen von den Händen, die Füße waren offen und wir waren bis auf die Haut durchnäßt, so daß es uns schüttelte, Hunger bohrte in uns. Völlig zusammengebrochen standen wir vor unserer kärglichen Stärkung. Es war furchtbar! Wir hätten unsere Arbeit bedeutend früher beenden können, wäre nicht dem Ober­scharführer Hofmann immer wieder eingefallen, Baracke Nr. 27 ab­reißen und das Inventar von Block 1 bringen zu lassen und umge­kehrt. Schikanen über Schikanen! Gebrüll, Ohrfeigen, Tritte, Faust­schläge. Jedes Prügelholz, das jenen in die Hände fiel, wurde auf unseren Rücken ausprobiert, um uns Tempo beizubringen.

Im Glashaus war es fuchtbar. Wir bekamen nur eine Decke, ob­wohl nicht geheizt wurde, weil die Heizung noch nicht funktionierte. Nach einigen Tagen hörten wir auf der Plantage über den Mauern ein höllisches Motorengeräusch und Kommandostimmen. Singende SS - Kolonnen, etwa 25.000 bis 30.000 Mann, besetzten das Lager. Auf Autos und Panzern konnte man lesen: ,, Auf zum 5- Uhr- Tee nach Paris !"

Ein tolles Treiben! Kriegerische Jugendliche, meist betrunken und übermütig, durchtobten das Lager. Der Polenfeldzug war sieg­reich beendet und nun glaubten sie, die Welt in die Knie zwingen zu können.

Als wir eines Morgens wieder ins Lager kamen, um den Dreck wegzuputzen, den diese Knaben in ihrem Übermut verursacht hatten, empfing uns ein schauerliches Bild. Das halbe Lager war mit einem Drahtverhau abgeriegelt und beim Eingang stand ein Posten mit schußfertigem Gewehr, der eigenartigerweise den Lauf gegen seine SS - Kameraden gerichtet hatte.

Typhus, Ruhr, Fleckfieber und Cholera hatten diese Horde heim­gesucht. In den Lagerstraßen lagen die Leichen und weinende Ge­sichter glotzten hilflos aus den Fenstern, wenn der Posten sich umdrehte. Sie getrauten sich nicht, den eigenen Kameraden gegen­überzustehen sie durften es nicht. Der Posten hatte nämlich Befehl, sofort auf die Kranken zu schießen, wenn einer von ihnen aus dem

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