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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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lose Fälle, darunter Leute, die man aus dem Weg schaffen wollte, und so wurde plötzlich, noch vor Einbruch der Dunkelheit, ein Kommando zusammengestellt, das diese Kranken auf Tragbahren ins Freie brachte und auf Autos lud. Sie verschwanden auf Nimmerwieder- sehen! Bald darauf sickerte durch, daß man sie mit einem Genick- schuß erledigt und den Flammen übergeben hatte. Das wiederholte sich noch öfter. Immer am Abend, wenn die Sonne sank und nur mehr die Silhouetten von Turm und Stacheldraht, von Maschinen- gewehren und Kaminen sich vom Himmel abhoben, marschierten singende Kolonnen durch das Tor ins Ungewisse. Nur ein kleines Kommando, 100 ausgesuchte Männer, sollte in Dachau zurückbleiben.

An einem Sonntag ließ der schon vorher mit der Aufstellung des Kommandos betraute Capo, dessen Vorschläge vom Lager- führer nur mehr bestätigt werden mußten, antreten. Es gelang, den Kameraden Gaster in diesem Kommando unterzubringen. Das war nur durch mein Spiel gelungen, da ich auch beim Capo trotz seiner Abnormalität seit dem Sommer einen gehörigen Stein im Bretthattee Kam ich mit einer Bitte, wurde dieser sofort stattgegeben.

Bald war das Lager leer. Der Nebel zog über die stille Halde, Regen und Sonnenschein wechselten.

Wir zogen immer wieder auf die Plantage und machten dort Auf- räumungsarbeiten, wie Sicherstellung von Samen und Werkzeug für das kommende Jahr. Es wurden auch Bauvorbereitungen getroffen, weil man plante, am Nordrand der Plantage eine Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung zu errichten. Grabarbeiten und Aus- hebungen hatten bereits begonnen und nun war nur mehr der Bau nach dem Plan eines Münchner Baumeisters fertigzustellen.

Im Lager herrschte Ruhe und man war einer ständigen Spannung unterworfen, was nun kommen würde. Wir wurden in einem Glas- haus auf der Plantage untergebracht, wo wir, mit Kommandoführer, Capo und Bewachungsmannschaft hundert Mann, hausen mußten.

Schneeflocken tanzten friedlich-leise-zur Erde...

Die Arbeit war hart und schwer und von uns wurde immer mehr verlangt. Die Blockführer, gewohnt, durch große Kolonnen alles im Nu fertigstellen zu lassen, glaubten, wir hundert Mann müßten das Gleiche leisten wie tausend. Weiß lag die Ebene vor uns. So weit das Auge reichte, herrschte Friede. Kein Laut störte, kein Schuß knallte vom Turm, kein Lärm war zu hören Umgebung und Lager glichen einem Friedhof. Wir hasteten und warfen Erde, schleppten Säcke mit Baumaterial herbei, legten Kabel, hoben Gruben und Kanäle aus und schlichteten die Rohre der Kalt- und Warmwasserleitung aufeinander.

Eines Tages mußten wir um 4 Uhr früh in das Lager ein- rücken. Dort erhielten wir Befehl, 30.000 Betten von der SS-Unter- kunft in das Lager zu schaffen, aufzustellen und die Baracken als

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