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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Wrack,

zutreffen, würde doch die Gestapo diese Sachen den Angehörigen zukommen lassen. Ginge ich aber nach Hause, würde ich sie mit­nehmen dürfen, weil ich sie ja nicht bei mir, sondern bei der Polizei verwahrt hatte.

Es war gut so. Inzwischen hatten sie mich in die Zelle 23 und von dort wieder in die Zelle 8 gesteckt, aus der sie mich eines Tages um 4 Uhr früh herausholten. Ich wurde in ein Auto gebracht und in Begleitung zweier Schupoleute zum Bahnhof geführt.

In einem Extraabteil fuhren wir nach Wien . Dort ging es auf die Elisabethpromenade. Ich kam wieder in eine Sammelzelle und wurde nach zwei Tagen mit mehreren anderen per Bahn nach Salzburg trans­portiert. Wir brachten die Nacht in einer Polizeizelle zu und wurden vom Bahnhof in Zellenwaggons nach München ins Polizei­gefangenenhaus gebracht. Auf einer Seite des Waggons befanden sich Frauen, die gleich uns in kleine Zellen gepfercht waren. Die Bewachungsmannschaft war grob und gab uns nur selten Wasser, zu essen überhaupt nichts. Einige Frauen waren in anderen Um­ständen und baten öfter um frische Luft oder Wasser, was kate­gorisch abgelehnt wurde. Zwei von ihnen brachen mehrmals

zusammen.

In München wurden wir wieder in einer Sammelzelle unter­gebracht. Von Ungewißheit gepeinigt, warteten wir Stunden auf Erlösung oder Änderung.

Schon nach dem Verlassen der österreichischen Grenze hatten wir richtig gespürt, wie fremd wir diesem anderen Land gegenüber­standen, wie fremd, wie anders sie uns empfingen und behandelten. Unmenschlich, derb, hart und scharf. Es gab kein Erbarmen. Keine Bitten wurden erhört wir waren ihnen ein aufgeladenes Übel, ein Volk zweiter Klasse. Wir konnten uns zwar auf dem Transport von Wien nach Salzburg auch keiner außergewöhnlich guten Behandlung erfreuen, doch stand uns der Österreicher, der uns bewachte, wesentlich anders gegenüber.

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Die Fahrt war allerdings eine Pein gewesen. Wir hatten nur ganz kleine, vollkommen verschmierte, vergitterte Fensterchen ge­habt, aus denen wir abwechselnd glotzten. Trotz tiefer Erschütterung freuten wir uns kindlich, wenn wir in der Ferne unsere Heimatberge vorbeifliegen sahen, von denen wir Abschied nehmen mußten. Jeder Fleck der grauen, staubigen Straße freute uns und riẞ uns doch Stück um Stück aus dem Herzen. Jede Blume, die sich im Wind neigte, grüßten wir stumm, baten wir um ihren Segen, wenn wir unter ihr ruhen würden. Jedes wandernde Wölkchen, das mit unserem Zug wetteiferte, war uns ein unvergeßlicher Anblick, ein nie mehr weichender Eindruck. Jeden Baum, jeden Stein, jeden Vogel, jedes Blatt grüßten wir in tiefster Ehrfurcht mit abschied­nehmenden Gebärden aus diesem rollenden Sarg, der uns in die Ungewißheit führte.

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