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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Die Fenster der Häuser wurden geschmückt, bekränzt wie ein Zirkuseingang, überall waren Bilder des ,, Führers" ausgestellt. Hatte ein Geschäftsmann ein zu kleines Bild im Schaufenster, wurden ihm womöglich die Auslagescheiben eingeschlagen oder man zerrte ihn wie einen Verbrecher aus seinem Geschäft und trieb ihn vor den Kommissar, der ihn mit einer Serie der unglaublichsten, niedrigsten Schimpfworte überschüttete. Nicht genug damit, versuchte man, die österreichischen Höflichkeitsformen in jeder Anwendung mit aller Gewalt abzugewöhnen und die Sprache mit deutschen Schlagworten zu verunstalten, zu verseuchen. Diese Schlagworte waren weniger deutsch , als dem nationalsozialistischen Übermut entsprungen. Unseren Dialekt, unsere der Eigenart entstammenden Ausdrücke wollte man ausschalten und durch das sogenannte Hochdeutsch er­setzen. Besonders die Höflichkeitsformen wurden von diesen Men­schen verspottet. Man sagte nicht mehr: ,, Bitte, kommen Sie einmal her." Es genügte vollauf, wenn man ihn forsch anbrüllte: ,, Komm' Sie mal her!" Es hieß nicht mehr: ,, Bitte, wollen Sie schneller gehen!", sondern: ,, Machen Sie, daß Sie weiter komm'!"

Mit einem Wort, man schaltete jede österreichische Zuvor­kommenheit und Höflichkeit aus und setzte an ihre Stelle die militärisch- nationalsozialistische Brutalität.

Wir, das Bergvolk, wurden wegen unserer Gemütlichkeit über­haupt nur mehr als ,, dämlich" und als sogenannte ,, Seppl" be­zeichnet. Wie blöd sich das anhörte, wenn ein österreichischer Bauernknecht, der von Geburt an nur im Dialekt gesprochen, auf einmal sich mit den neuen Schlagworten herumbalgte! Man kann ruhig sagen, daß diese Einführungen, die über die Grenzen gekom­men waren, den ersten Anstoß zur Unzufriedenheit gaben. Unser Volk ist mit der Natur zu eng verbunden und Brauchtum und Her­kommen derart unterworfen, daß eine maschinelle Umkrempelung unmöglich ist.

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Danken wir dem Herrgott, daß die nationalsozialistische ,, Vor­sehung" unseren Massen ich meine hier bestimmte Kreise, die bei Revolutionen immer wieder auftreten bald die Augen ge­öffnet hat.

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Schlimm und böse war diese Zeit! Ich flüchtete vor allen Menschen und irrte vergrämt in den Wäldern herum. Nicht das politische Moment war mein stärkster Drang. Niederschmetternd war für mich, daß ich nicht, wie bisher, meiner Kunst leben durfte. Ich drehte jedes Wörtchen, jede Melodie, die ich hörte, bei meinen stillen Schritten hundertmal um und suchte den Ursprung jedes Texte's und jeder Melodie. Dabei erinnerte ich mich zu gern an meine ersten Gedichte und Weisen, die ich mühsam aufs Papier zu bringen versuchte. Welch himmlisches Gefühl, zu probieren, diesen Drang eines melodischen Traumes aus Tiefen und Empfin­dungen plötzlich mit gesteigerter Kraft zu bändigen! Das erstemal

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