Druckschrift 
Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen

heimlichen Durst hatte, Denaturat aus den Vorräten holen. Etwa zwei Liter Denaturat machten sie sinnlos betrunken. Dann lief sie splitternackt in der Baracke umher. Sie wollte zu Juro, die zweite Blockälteste, die auch ihre Liebste war, ins Bett. Sie schlug ununterbrochen mit einem Schemel gegen die Zimmertür von Sch., dabei die wüstesten Flüche und Schimpf- worte ausstoßend. Alle Insassen der Baracke waren verängstigt und aufgeregt, und Sch. gab mir den Auftrag, Max zu holen. Max war gerade bei seiner Lieblingsbeschäftigung, sieben schöne, nackte Frauen mit der Reitgerte zu bearbeiten. Auch er war nackt. Selbstverständlich durften wir nichts sehen, sonst: hätte er uns umgebracht. Max kam und schlug die L. derartig zusammen, daß sie blutüberströmt zusammenbrach. Durch all den Lärm war nun auch die SS geweckt worden, und in dieser Nacht erhielt die SS einen Einblick in die nächtliche Tätigkeit ihres Henkers Max. Auf der einen Seite sollte und wollte er der Vernichter der Juden sein, auf der anderen Seite waren Jüdinnen die Objekte seiner Perversität.

Heute gibt es süßen Kaffee, raunte eine der anderen beim Appell zu. Alle freuten sich, doch nicht alle erhielten süßen Kaffee; meist nur ältere und schwach aussehende Frauen oder solche, auf deren Gesichtern Verzagtheit und Angst ge- schrieben standen. Nach dem Kaffee wurde es einigen schlecht, ‚andere wankten. Man führte sie ab in die Lazarettbaracke. Am anderen Morgen ging wieder ein trauriger Zug vom Lager fort, der Seite zu, wo sich das Krematorium befand.

Eines Morgens befahlen L. und Sch., uns nackt auszuziehen, und was ihnen von unseren Sachen noch gefiel, nahmen sie, außer Gürteln, Kopftüchern und Schuhen.

An einem Tage war ich durch Zufall mit noch einigen Frauen in den anderen Teil des Lagers herübergebracht worden. Zum ersten Male seit all den Jahren wurde ich schwach. Man hatte mich von meinem kaum wiedergefundenen Kinde getrennt. Aber es wurde noch alles gut, mein Mädel suchte, bis sie mich fand, und am anderen Morgen kam ich zu ihr in die Kartei, wo sie schon einige Zeit arbeitete. Eines Nach- mittags hieß es:Heute nacht wird durchgearbeitet, und auch wir beide blieben auf dem Büro. Gegen 11 Uhr nachts erschien

46|\