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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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sie sie sich genauer angesehen hätten, und so gelang es uns oft, Menschen zu retten. Sehr häufig waren Aktionen. Dann wurden die Lazarette vollständig ausgeräumt. Wohin man die Kranken brachte, wissen wir nicht, nur daß nie wieder einer zurückgekehrt ist. Himmelfahrtskommandos nannte man die Aktionen, durch die Kranke und Schwache aus dem Lager entfernt wurden. Unter anderem will ich nur über das Schicksal der beiden bildhübschen Schwestern Annemarie und Margit Zorek aus Gelsenkirchen berichten. Sie waren be- reits vom Typhus geheilt, warteten im Lazarett nur auf ihre letzte Blutprobe, als auch sie für die Aktion aufgeschrieben wurden. Sie haben furchtbar geweint und geschrien, da sie nicht sterben wollten. Ich habe sie im Lager einen halben Tag versteckt gehalten, doch dann entdeckte sie ein SS-Mann, und sie wurden, da die anderen schon abtransportiert waren, mit einem besonderen Auto fortgebracht, wohin, das weiß keiner.

Todesarten wie Erschießen und Erhängen waren bei uns etwas Alltägliches, das Totschlagen auch, aber gegen Ende des Jahres 1943 tauchte eine neue Todesart auf, die ein be- sonders findiger Sadist ausgeklügelt hatte, das Ertränken von Häftlingen in der Latrine, eine der schreck- lichsten Quälereien, die nur als Ausgeburt einer Höllen- phantasie bezeichnet werden kann. Die ausführenden Organe waren die Schwerverbrecher und kriminellen Zuhälter aus deutschen und lettischen Zuchthäusern. Kasernierungen waren an der Tagesordnung. Handelte es sich um jüngere Menschen und Facharbeiter, konnte man damit rechnen, daß sie vorläufig noch am Leben blieben, wurden aber Alte, Schwache und Kranke genommen, wußte schon jeder, was los war.

Am 2. November 1943 fand bei uns die erste Kinderaktion statt, der alle Kinder bis zu zwölf Jahren zum Opfer fielen. Sie wurden bei bitterster Kälte in offene Waggons verladen, angeblich sollten sie in ein deutsches Kinderheim geschickt werden. Wir fragen heute mit Recht: Was geschah mit diesen Kindern? Stimmt es, was die lettischen Eisenbahner uns später erzählten, daß man die Züge mit Kindern, Alten, Schwachen

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