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und immer wieder den einen Weg zur Latrine, eingehüllt in ihre graue Schlafdecke.- Die Spitalverhältnisse im Lager waren so, daß die meisten eine wahnsinnige Angst hatten, eingeliefert zu werden, nicht wegen Pflege und Behandlung dort, sondern wegen der Aktionen, denen diejenigen, die nicht schnell genug gesund wurden, ausgeliefert waren. Die SS verlangte von den Häftlingen, die Sanitätsdienst machen mußten, unnachsichtige Befolgung sämtlicher Befehle. Wir hatten zwar zu allem ja gesagt, haben aber doch, soweit wir konnten, das getan, was wir für richtig hielten. Kein Patient durfte länger als 21 Tage im Spital liegen. Der 21. Tag war der Stichtag zur Meldung auf der Kommandantur. Selbstverständlich machte von uns Häftlingen keiner Meldung, aber die SS hielt Kontrollen ab und schrieb selbst die Kranken auf, deren Zeit abgelaufen war. Oftmals bekamen wir für unser eigenmächtiges Handeln ,, Fünfundzwanzig"; aber an die Schläge waren wir schon gewöhnt, und es gelang uns, manchen Kranken den Fängen der SS - Mörder zu entreißen. Auch unser Los war nicht leicht, wenn wir auch nicht die schwere Arbeit draußen bei Wind und Wetter zu leisten hatten, aber Nerven erforderte unsere Arbeit in hohem Maße. Wieviel Zerschlagene und Moribunde kamen zu uns, bei denen uns nur noch die Möglichkeit blieb, ihnen die letzten Tage ein wenig zu erleichtern. So waren zum Beispiel alle Kranken, die uns vom Lager Straßenhof überwiesen wurden, Todeskandidaten. Nur derjenige, der täglich selbst diese Dinge ansehen und mitmachen mußte, weiß, was wir empfanden, wenn die Augen der eingelieferten Todeskandidaten uns anblickten und anbettelten um ihr armseliges Stückchen Leben.
Das Sanitätspersonal wurde von der SS strengstens überwacht, ob es bei den Kranken den Stichtag inne hielt. Rücksichtslos wurden wir wegen jeder kleinen Verfehlung geschlagen, so z. B., wenn bei einem Kranken die Decke ein wenig verrutscht war oder nicht ganz glatt lag. Zumeist erfolgte diese Bestrafung öffentlich beim Appell. Sehr häufig haben wir das Einlieferungsdatum der Kranken geändert, denn der SS waren die Häftlinge viel zu gleichgültig, als daß
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