viele der überlebenden Frauen für die Zukunft kinderlos blei- ben, weil durch die vielen Aborte, die als Folgen gezwun- gener oder freiwilliger Liebesidylle mit SS-Leuten oder Ver- brechern vorgenommen werden mußten, organische Störun- gen hervorgerufen wurden.
Mister X. war ungemein kräftig, da ja die Henker der SS genau so gut aßen und tranken wie ihre Herren. Er war der gefürchtetste Exekutor im Lager. Die kräftigsten Männer schlug er mit der Faust zu Boden, oft sogar ohne jede Ursache. Er schlich wie ein Raubtier um jeden herum, so daß manche schon am Boden lagen, ehe sie wußten, was ihnen geschah. Viele Menschen hat er auf dem Gewissen. Jungen und hüb- schen Mädchen und Frauen gegenüber hatte diese Bestie ihre Achillesferse, diese wollte sie gern für sich, denen brachte sie Lebensmittel und Kleider. Hingegen mußten ältere Frauen, die für diese besondere Verwendung der SS und ihrer Schergen nicht mehr in Frage kamen, schwere Arbeit verrichten, bei der sie oft mitleidlos mißhandelt wurden.
Die Übertretung des Rasseschandeparagraphen der Nürn- berger Gesetze interessierte die SS nur insoweit, als ihnen die Vorarbeiter nicht ins Gehege kamen. Mehr interessierte sie, daß nach ihrer Ansicht die Verbrecher uns Frauen gegenüber noch nicht roh genug waren. Darum ließen sie kriminelle Dirnen aus Zucht- und Arbeitshäusern kommen als unsere Vorgesetzte. Selbstverständlich waren auch sogenannte„Blitz- mädel‘ Aufseherinnen im Lager, sie schlugen uns genäu SC unbarmherzig wie die Dirnen und plünderten jeden Transport aus, der ankam. Je älter und reizloser unsere weiblichen „Vorgesetzten“ waren, um so gemeiner und sadistischer be- nahmen sie sich.
Ein Intermezzo will ich Ihnen nicht vorenthalten. Der erste kriminelle Dirnenimport aus Deutschland betrug 40 dieser -Prachtexemplare, die selbstverständlich im Frauenlager unter- gebracht wurden, hingegen schliefen sie inoffiziell im Männer- lager bei den Kapos. Gleich am ersten Abend rückten die Wei- ber aus. Die SS kontrollierte die Frauenbaracken, 32 unserer neuen Vorgesetzten fehlten. Die SS machte sich auf die Suche. Was war geschehen? Sobald die Kapos von der Razzia hörten,
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