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Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
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Ausbeutung bis zur Vernichtung

Die Außenkommandos im Konzentrationslager Ravens- brück offenbarten so recht den Geist, der sowohl für die Terrorakte der Himmler-Schergen als auch für deren brutale Ausbeutermethoden bezeichnend war. Wie ich schon sagte, mußten die Häftlinge in Munitionswerkstätten und in der Landwirtschaft tätig sein. Hinzu kamen jedoch noch einige Lagerbetriebe, die hauptsächlich der Herstellung von Spreng- stoffen und zur Verrichtung von Näh- und Schneider- arbeiten dienten.

Die Arbeitszeit widersprach allen Vorstellungen der Menschlichkeit. Die Frauen und Mädchen mußten in der Regel von 6.30 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags und von 12.30 Uhr bis 19 Uhr, oft auch bis 21 Uhr unter unbe- schreiblichen Bedingungen arbeiten. Die halbstündige Mit- tagspause konnte nie eingehalten werden. Der Andrang bei der Essenausgabe war so groß, daß viele der Häftlinge über- haupt nichts erhielten. Ohne Rücksicht darauf ging es dann sofort wieder an die Arbeit.

Es lag auf der Hand, daß aus diesem Grunde der Hunger immer mehr spürbar wurde. Hinzu kam, daß bei der ohnehin mangelhaften Ernährung epidemische Krankheiten auftraten, vor allem der Typhus . Dieser forderte täglich 8 bis 10 Todesopfer. Zur Eindämmung der Seuche wurden nur die allernotwendigsten Maßnahmen ergriffen.

Die Behandlung war aber so oberflächlich, daß die Typhus - epidemie zu einer Dauererscheinung wurde.

Die Wäsche der Häftlinge konnte fast nie gewechselt werden. Es kam vor, daß man die Wäsche innerhalb von 1'/z Jahren nur dreimal wechselte. Jedoch mußte während der ganzen Haft das- selbeKlei.d getragen werden.

Terrorisierung im Strafblock

Da ich als politischer Häftling in das Lager kam, wurde ich im Strafblock untergebracht. Ich mußte mit an- nähernd 1000 Häftlingen in einer Baracke

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