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gegessen. Wir wußten, welche grausamen Strafen darauf standen, aber Hunger tut weh. Wir scheuten uns nicht, Ratten zu fangen, zu braten und zu essen. Nie hätte ich geglaubt, daß ich so etwas in meinem Leben würde essen müssen— aber die Ratte schmeckte mir wie ein junges
Kaninchen. "Ich sah, wie ein Kamerad Menschenfleisch aß.
Auch mir wurde einige Tage später ein Stück Fleisch angeboten. Ich kostete— es hatte einen süßlichen Ge- schmack. Nun erinnerte ich mich daran, daß ich einen Kameraden beim Verzehren von Menschenfleisch beob- achtet hatte. Ich ekelte mich und rannte davon. Man lachte mich aus. Es wäre zuviel, wollte ich alles erzählen, was ich in jenen Jahren persönlich erlebt habe, bezeugen und be- eiden kann. Aber. meine Leidenszeit war immer noch nicht um. Ein Transport Kinder kam an, 4- bis ı0- jährige Jungen. Ich hörte, wie sie bettelten:„Panje, Panje, Wodda.‘“ Es waren Polen , die um Wasser bettel- ten. Ich nahm einen etwa vierjährigen Jungen auf den Arm und wollte mit ihm in eine Baracke zum Wasser- trinken.„Stehenbleiben“— schrie jemand hinter mir. Es war der Blockführer. Er riß mir das Kind aus dem Arm und warf es mit voller Wucht auf die Lagerstraße. Ich wurde von ihm geschlagen und getreten und dann dem Lagerführer vorgeführt. Der Blockführer meldete, ich hätte versucht, einen Polenjungen zu verstecken. Jch beteuerte meine Unschuld. Doch ich kam nicht zu Worte.
100 Stockhiebe und 42 Tage Arrest
erhielt ich für die Erfüllung einer menschlichen Pflicht. Ich will nicht beschreiben, wie furchtbar diese 100 Hiebe
‘waren und die Leiden und Qualen während der 42
Tage Dunkelarrest. Auch diese Zeit verging. Nach Ver- büßung der Strafe erzählten mir Kameraden, daß die Kinder damals noch am gleichen Tage ins Krematorium abgeschoben worden seien. Mit Judenkindern machte man
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