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Mein Leben im Konzentrationslager Sachsenburg : Tatsachenbericht / von Kurt Kohlsche
Entstehung
{[S.l.] [1948]
Seite
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der Polizeibehörde zu melden. Alsdann bekam ich meinen Entlas­sungsschein in die Hand gedrückt. Nun ging es zur Umkleidung und gegen 16 Uhr verließ ich das Lager. Es war für mich eine bedeut­same Stunde. Als ich in der Nähe die Kameraden mit dem Posten bei der Arbeit sah, konnte ich es kaum fassen, nun in Freiheit zu sein. In der Nähe des Lagers befand sich ein Gasthaus, in welches ich mich begab. Zu meiner großen Überraschung wurde ich dort von meiner Frau in Empfang genommen. Seit zwei Tagen hatte sie hier Wohnung bezogen, da ihr vom Gestapoleiter Kaufmann mitgeteilt worden war, daß ich entlassen wäre. Meine Frau hatte nichts unversucht gelassen, um mit den vorgesetzten Leitern des Lagers in Verbindung zu kom­men. Es war ihr gelungen, den Sturmbannführer Rödel beim Aus­steigen aus dem Wagen vor dem Tor des Lagers zu sprechen. Sie machte ihn darauf aufmerksam, daß ihr durch den Gestapoleiter Kaufmann mitgeteilt worden sei, daß ich frei wäre und erklärte ihm, daß sie, wenn ich nicht heute noch aus dem Lager käme, sofort nach Berlin fahren und dort Meldung machen würde. Daraufhin bedeutete der Sturmbannführer Rödel meiner Frau mit den Worten: ,, Warten Sie noch ein paar Stunden, wenn Ihr Mann ein anständiger Kerl ist, werden wir es mit der Entlassung versuchen."

Nun ging es so schnell wie möglich der Heimat zu. Im Zug kam ich mir noch wie ein Verfolgter vor. Auch im Heim angelangt, konnte ich noch immer nicht an meine Freiheit glauben, zumal am nächsten Morgen die erste Meldung bei der Polizei zu machen war.

Nach meiner Entlassung habe ich festgestellt, daß die vorgelade­nen Häftlinge von der Leitung der Gestapo täglich für Entlassungen vorgesehen waren, jedoch der Standartenführer Schmidt handelte nach seinem eigenen Ermessen und behielt die Häftlinge.

Nach einiger Zeit ist dann das Lager Sachsenburg aufgelöst und seiner alten Bestimmung wieder übergeben worden. Der Sturmbann­führer Rödel hat bis zum Zusammenbruch im Konzentrationslager Buchenwald eine bedeutende Rolle gespielt. Viele Zehntausende von Häftlingen werden diesen Namen im Gedächtnis haben, ebenso die Namen Plaul, König und Kampe, welche ebenfalls noch im Lager Buchenwald tätig waren.

Ich hatte mir nach meiner Entlassung ernstlich vorgenommen, nur noch meiner Familie zu leben. Leider blieben aber auch nachher die Verfolgungen nicht aus und das Leben wurde einem auf Schritt und Tritt erschwert. Jede geschäftliche Tätigkeit wurde einem unter­sagt, ebenso die Führung eines Fahrzeuges verweigert. Außerdem hatte ich mich täglich zu den verschiedensten Zeiten bei der Polizei zu melden.

Es wird nun der eine oder andere mit Recht die Frage stellen, was geschah nachher! Darüber werde ich später durch eine neu er­scheinende Broschüre berichten.

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