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Mein Leben im Konzentrationslager Sachsenburg : Tatsachenbericht / von Kurt Kohlsche
Entstehung
{[S.l.] [1948]
Seite
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hatten, sehr hart rangenommen und sie glaubten dann, ihr Erlerntes

uns auslassen zu müssen. Sie hatten sich natürlich das Ziel gesetzt,\ so schnell wie möglich bei der SS vorwärts zu kommen und schreck- ten daher auch nicht vor den größten Gemeinheiten zurück, die Häft- linge als Mittel zu ihrem Zweck zu benutzen. Sie waren der Annahme, je brutaler sie zu den Häftlingen seien, um so größer die Chance der Beförderung.

Wir alle wußten, daß der Standartenführer Schmidt eigener Vor- teile wegen, alles versuchte, keinen Häftling zu entlassen. Dieser Mann war der Ansicht, daß alle in seiner Gewalt befindlichen Häft- linge nicht mehr das Recht hätten, wieder zu ihren Angehörigen zu- rückzukehren. Er selbst aber führte ein Schlemmerleben. Ein Häft- ling, welcher beauftragt war, ihm als Bursche zu dienen, brachte uns täglich Nachrichten darüber, daß der Standartenführer Schmidt nicht davor zurückschreckte, die Frauen der Häftlinge, die um die Befreiung ihres Mannes baten, zu seinem sexuellen Vorteil zu miß- brauchen.

Es wurde uns bekannt, daß der Leiter-der Gestapo , Schlegel, der ein guter Freund des Standartenführers Schmidt war, seines Postens enthoben worden war. Ein neuer Leiter wurde eingesetzt. Bald sprach es sich herum, daß zwischen diesem und dem Standartenführer Schmidt Differenzen aufgetreten seien.

Täglich wurden durchschnittlich 30 Häftlinge zu dem Komman- danten bestellt. Er vernahm die Häftlinge, sah ihre Akten durch und schrie sie an, um sie davor zurückzuschrecken, etwas zu ihrer Be- freiung zu unternehmen.

Mit Spannung wurde jeden Tag der Mittagsappell erwartet, in

den letzten Tagen täglich Entlassungen durchgeführt wurden. Man beabsichtigte jetzt ernstlich, das Lager aufzulösen und einen Teil der Häftlinge zu entlassen und den anderen Teil nach Buchenwald zu bringen.

Es war an einem Montag Mittag als ich den Befehl erhielt, am Nachmittag, als die anderen Kameraden zum Appell mußten, vor den Geschäftsräumen der Lagerleitung zu erscheinen. Mit großer Spannung und Unruhe konnte ich kaum den Moment erwarten, der über das weitere Schicksal entscheiden sollte. Als es nun so weit war, gab mir Sturmbannführer Rödel bekannt, daß ich heute entlassen würde. Er schärfte mir ein, daß ich nach meiner Entlassung nichts über das Er- lebte berichten dürfe, da ich andernfalls sofort wieder Bekanntschaft mit dem Lager machen würde. Ich mußte einen Revers unterzeichnen, durch den ich eidesstattlich erklären mußte, mit keinem Menschen jemals über die Lagerzeit zu sprechen, und mich täglich einmal bei

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bei ihrem Dienst, im Lager an uns Häftlingen in verstärktem Maße an

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