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Mein Leben im Konzentrationslager Sachsenburg : Tatsachenbericht / von Kurt Kohlsche
Entstehung
{[S.l.] [1948]
Seite
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Gefängnisses waren sie im Glauben, nun in Freiheit zu sein, da wur­den sie von der Gestapo neu gefangen genommen und dem Konzen­trationslager Sachsenburg zugeführt. Alle wurden durch die gleichen Methoden abgeschreckt und das Leben der einzelnen Häftlinge durch die Posten derart erschwert, daß die meisten die Hoffnung aufgaben, ihre Angehörigen, bevor nicht das System zusammengebrochen war, wiederzusehen.

Eines Tages kam ein Blutsordensträger zu uns ins Lager, der an­scheinend auch nicht mit der politischen Entwicklung einverstanden war. Dieser erlaubte sich am ersten Sonntag, an dem er im Lager war, gegen einen SS- Mann zu protestieren mit den Worten: ,, Wenn ich wieder frei bin, werde ich mich über diese Schweinereien persönlich beim Führer beschweren." Sofort wurde er abgeführt und wir haben ihn von dieser Stunde an nicht wieder zu sehen bekommen. Keiner hat erfahren. was aus ihm geworden ist. Es besteht allerdings die Möglichkeit, daß er nur auf Tage die Bekanntschaft des Konzen­trationslagers gemacht hat. Es kam öfter vor, daß auch alte Kämpfer in unserer Mitte saßen. Der eine oger andere hatte aber das Glück, nach Tagen das Lager wieder zu verlassen.

Vertrauen konnte man keinem Menschen, denn man mußte immer damit rechnen, daß auch Beauftragte sich in unsere Mitte setzten, welche in den Diensten der Gestapo standen.

Das Lager wurde nun auch durch Hinzuführung vieler kriminel­ler und asozialer Elemente neu bevölkert. Diese waren auch im Lager zu den gemeinsten und niederträchtigsten Handlungen fähig Durch ihre Spitzeldienste glaubten sie, ihre Lage verbessern zu können und schreckten daher auch nicht vor falschen Anschuldigungen zurück, um dem einen oder anderen das Leben noch mehr zu erschweren.

Gerüchte wurden verbreitet, daß das Lager aufgelöst werden und alle Häftlinge, die nicht entlassen werden, in das große, wohl jedem bekannte Lager Buchenwald überführt werden sollten. Dieses Gerücht wurde aber dadurch unglaubhaft, daß die wundervolle, bekannte Uni­form bei uns eingeführt wurde, die berühmten, gestreiften KZ- Kleider mit den dazugehörigen ,, Krätzchen". Nach dieser Uniformierung ver­lor fast jeder die Hoffnung auf Freiheit. Man gewöhnte sich daran, daß dieses Leben wahrscheinlich ein Dauerzustand werden würde. Von der höheren Führung wurde alles getan, um uns das Leben immer schwerer zu gestalten. Die Prügelstrafe wurde jetzt alle zwei Tage durchgeführt, so daß einem dieses traurige Ereignis schon fast zur Gewohnheit wurde.

Die Greuel gegen die jüdischen Häftlinge wurden auch immer schlimmer. Die neu hinzukommenden SS- Posten waren zu den scheuẞ­lichsten Gemeinheiten fähig. Sie selbst wurden, wenn sie Dienst

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