dem Gesicht zur Wand standen. Es durfte keiner wagen, die Hände nach unten zu nehmen. Mehrere SS- Posten standen mit aufgepflanztem Bajonett hinter uns und brachten uns die ersten Verhaltungsmaßregeln des Lagers bei. 11/2 Stunden standen wir dort und wurden dann über den Hof in Richtung eines Stallgebäudes in Gruppen geführt. Dort wurden jedem im knien die Haare kurz geschnitten. Nach dieser Prozedur mußte sich jeder schnellstens wieder zur Gruppe zurückbegeben. Hände wieder in's Genick, ging es zum Fotografieren. Immer neu hinzukommende Gruppen füllten das Lager. Nachdem jeder eine Nummer ungehängt bekam und fotografiert war, wurden wir in Gruppen zum Sportplatz geführt. Dort wurden wir von dem Sturmbannführer Rödel( letzter Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald ) in Empfang genommen. In seiner Nähe stand der diensthabende Beamte, der mich nach dem Lager gebracht hatte. Der Sturmbannführer Rödel rief mich aus der Gruppe mit den Worten heraus: ,, Sie, mit dem grauen Mantel, kommen Sie her." In seinem bayrischen Dialekt sagte er: ,, Sie waren doch im Ausland, wo waren Sie denn?" Ich erklärte ihm, daß ich als Preisträger in der UDSSR war. Darauf stellte er an mich die Frage: ,, Wie war es denn dort!" Ich gab ihm zur Antwort: ,, Dort, wo ich hingeführt worden bin, hat es mir gefallen." ,, Seien Sie froh, daß Sie das gesagt haben," erwiderte er mir. Machen Sie, das Sie wegkommen. Durch das Erlebte der letzten Stunden war ich derart innerlich erschüttert, daß ich nicht den Mut fand, die Frage nach der Bedeutung der Schutzhaft zu stellen. Austreten gab es nicht, dieses mußte an Ort und Stelle verrichtet werden. Es war schon weit über Mittag und ich hatte das Pech, zu denen zu gehören, welchen noch immer keine Unterkunft zugewiesen war. Die Arme wurden zu Eisen, die Schultern schmerzten, es war einem fast kaum noch möglich, die Arme weiter im Genick zu halten. Man krampfte die Finger zusammen, versuchte mit Aufbietung aller Kräfte durch Einkrampfen der Finger am Kragen die Arme oben zu behalten. Jeder Finger wurde abwechselnd dazu benutzt. Sprechen war verboten. Wer seine Arme nicht mehr oben behalten konnte oder nur durch eine Kleinigkeit irgendwie auffiel, mußte aus der Reihe treten, 100 Kniebeuge machen oder sich auf- und niederlegen bis er nicht mehr konnte.
Es wurde abends 7/2 Uhr ehe wir nach oben in einem großen Saal kamen, in welchem sich schon zirka 1000 Häftlinge befanden. Die Arme und der Oberkörper waren wie abgestorben, man war vollkommen erschöpft und mußte nun erst versuchen, wieder zu sich selbst zu kommen. Der eine oder andere Kamerad versuchte einen aufzurütteln. Durch die wilden Gerüchte, die dort umgingen, wurde man in das neue Leben hineingerissen.
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