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Julius Berger und das Dritte Reich / Bruno Marcuse
Entstehung
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Festung nach Theresienstadt ins Krematorium und verbrannte sie dort. Das Verbrechen der also grausam Heimgesuchten bestand u. a. darin, daß man Geld bei ihnen fand, oder daß sie sich einer Durchstecherei mit Lebensmitteln schuldig ge­macht hatten oder mit Zigaretten Handel trieben. Alles dies war strengstens verboten.

In Theresienstadt konnte man feststellen, daß die Juden auf einen gemeinschaftlichen Nenner unmöglich zu bringen sind, denn sie fallen nach Erziehung, Bildung, Beruf, Na­tionalität und Charaktereigenschaften ganz auseinander. Das beweist schon ihr Äußeres. In der Mehrzahl der Fälle waren die deutschen Juden den deutschen Christen, die böhmischen Juden den böhmischen Christen und die ostslavi­schen Juden den ostslavischen Christen gleich oder ähnlich. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß der jüdische Ge­lehrte dem arischen Gelehrten viel näher steht als dem jüdischen Schlächter und dieser wieder dem arischen Schläch­Es ist schade, ter näher als dem jüdischen Geistlichen. daß die nationalsozialistischen Rasseforscher diese einzig­artige Gelegenheit, jüdische Typen wirklich kennenzulernen, nicht ausgenutzt haben. Aber man hat keinen von ihnen dort gesehen. Sobald das Ghetto befreit worden war, trug jeder die Farben seines Landes. Dorthin fühlte er sich zu­gehörig, denn auch die Religion einte nicht genügend. Es gibt orthodoxe, freidenkende, zionistische und getaufte Juden neben solchen, die Atheisten sind. Im Gegensatz etwa zur katholischen Kirche fehlt ihnen jede zentrale Führung in Religionsfragen. Überkommene Gebräuche sind dem einen heilig und erscheinen dem anderen unnötig, die Bibel und die Schriften sind dem einen vertraut, dem anderen fast unbekannt. So blieb als alleiniges Band, das alle einte, die gemeinschaftliche Mausefalle, in die Hitler sie zusammen­sperrte. Dies war auch für Berger die Lehre von There­sienstadt.

Frau Berger war inzwischen so hinfällig geworden, daß ihre Aufnahme in das Krankenhaus erfolgen mußte. Dort arbeiteten tüchtige Ärzte und pflichtvolle Schwestern. An den hinfälligen Kranken wurde das Menschenmögliche vollbracht, und mancher fast hoffnungslose Fall konnte geheilt oder ge­bessert werden. Doch die Widerstandskraft der meisten war zu gering geworden, der Körper hatte keine Reserven mehr, und so löschte bei ihnen das Leben aus wie ein schwaches Lichtlein! Kaum daß man aus einer Entfernung von weniger

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