sich ab. Vor Schwäche falle ich jetzt oft auf der Straße hin, und mitleidige Passanten müssen mich wieder aufheben." Er war ein gütiger Pädagoge, beliebt bei seinen Schülern und ist im Jahre 1942 an Entkräftung in Theresienstadt gestorben.
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Bald danach wurde Berger mit dem Rechtsanwalt Beutler bekannt, der gleichfalls aus Berlin abtransportiert worden war. Berger stutzte: So sieht ein früherer Rechtsanwalt aus?" Blaẞ, hohlwangig, unrasiert, in abgeschabtem Rock, mit ausgefransten Hosen, aber ein sanftes Lächeln in milden Zügen. Er war ein sonderbarer Mensch, so wie ihn Heinrich Seidel in Leberecht Hühnchen schildert, Coué war sein Vorbild; es ging ihm bis zu seinem traurigen Ende täglich besser". ,, Wie reichen Sie mit dem Brot, das für drei Tage bestimmt ist?", fragte Berger den Anwalt.
,, Ich habe es nach meiner Gewohnheit schon in anderthalb Tagen verzehrt", erwiderte Beutler. Bestrichen mit Margarine und bestreut mit Zucker war es ein rechter Genuß für mich." .Mensch, was machen Sie denn die übrigen anderthalb Tage?", fragte Berger weiter.
,, Ich lege mich ins Bett und versuche zu schlafen", war die bescheidene Antwort.
Beutler war Junggeselle, seine Liebe gehörte der Musik, und er verabschiedete sich, um ins Kaffeehaus zu gehen. Dort konnte man einen Pianisten spielen hören. Und außerdem: Auch Kaffee füllt den Magen.
Andern Tages lief Berger dem Rechtsanwalt Marx fast in die Arme, demselben, der ihn bei der Auswanderung seiner Kinder beraten hatte. Sie hier, Herr Rechtsanwalt", rief er erstaunt aus ,,, Sie haben Hunderten von Klienten zur Ausreise über das große Wasser verholfen und sitzen selbst in Theresienstadt auf dem Trockenen?"„ Ja leider", antwortete kleinlaut der Gefragte, ich hatte damit so unendlich viel zu tun, daß mir zum Schluß nicht mehr die Zeit blieb, meine eigene Auswanderung zu betreiben..."
,, Ich traf übrigens schon mehrere Bekannte aus Berlin hier", bemerkte Berger, und es sind gute Leute dabei."
,, Das will ich meinen", erwiderte Marx, den höchsten Rang der hier anwesenden früheren Offiziere bekleidete Feldmarschall- Leutnant Friedländer als Oberbefehlshaber einer österreichischen Armee gegen Italien im ersten Weltkrieg. Auch sonst ist das österreichische Militär bis zum General, das deutsche bis zum Hauptmann der Landwehr vertreten.
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