,, Juda Berger." ,, Und Julius Berger?"
,, Den gibt es nicht."
Der Direktor atmete erleichtert auf:„ Es gibt keinen Julius Berger." Damit war die Firmenbezeichnung gerettet. Schade, daß die alten griechischen Sophisten diese Meisterleistung ihrer nationalsozialistischen Nachfahren nicht mehr erlebt haben. Julius Berger lächelte: Er hatte sein eigenes Nichtvorhandensein im Sinne des Dritten Reiches urkundlich nachgewiesen.
Man schaffte die beiden alten Leute im Sammeltransport nach Bauschowitz in Böhmen . Dort lud man die Häftlinge aus und ließ sie den 5 Kilometer weiten Weg nach Theresienstadt zu Fuß zurücklegen. Niedergedrückt von allem seelischen Leid und körperlich völlig erschöpft langten sie im Konzentrationslager an. Frau Berger war schon in Berlin so matt geworden, daß sie kaum zu gehen vermochte. Ihr Mann straffte sich mit seiner letzten Kraft. Ein langer Antrittsappell wurde befohlen, der stehend angehört werden mußte. Strafandrohungen aller Art wurden verlesen, bei Fluchtversuch Erschießung angedroht. Wer sich nicht in allem fügt, kommt ins Lager nach Polen . Dort habt Ihr es nicht so gut wie hier", hörte man.
Körperliche Untersuchungen, die entwürdigend namentlich für Frauen waren, folgten. Nach dieser Einführung ging's in die Quartiere. Die Ehegatten wurden getrennt. Man schlief in der ersten Zeit auf dem Steinfußboden, auf dem Strohsäcke lagen. Da die Kälte durchdrang, setzten sich die alten Leute nach einigen Stunden lieber auf Holzschemel. Später gab es Stockbetten in zwei bezw. drei Lagen übereinander. Das war das Altersheim, dessen Leistung der Einzahlungssumme keineswegs entsprach. Die Ausnutzung der Räume war ungeheuerlich. Die Stadt, für 4000 bis 5000 Einwohner gebaut, wurde nun mit der zehnfachen Anzahl Insassen belegt. Die angewiesenen Schlafräume waren lange dunkle Säle in alten Kasernen, in denen sich das schrecklichste Ungeziefer heimisch gemacht hatte und förmlich auf neue Opfer lauerte. Die Schlafgenossen waren leidende Greise oder Kriegsinvaliden, die nachts hilflos stöhnten. Viele konnten vor Hunger nicht einschlafen oder vor Sorgen um das Schicksal ihrer fernen Angehörigen, die teils ausgewandert, teils nach unbekannten Lagern verschleppt worden waren.
Wir lernen ja so viel in der Schule oder an der Hochschule,
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