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Julius Berger und das Dritte Reich / Bruno Marcuse
Entstehung
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Würden die Messungen für die große Strecke von acht Kilo­metern auch so genau ausfallen, daß sich die Arbeiter im Mittelpunkt des Berges treffen und nicht aneinander vorbei­gehen? Eine kleine Abweichung von etwa einem halben Zentimeter je Meter Strecke würde bedeuten, daß die Linien­führung um 20 Meter im Zentrum des Berges abirrt, und daraus folgen dann ganz erhebliche Zeitverluste und kost­spielige Nacharbeiten. Übrigens lehnte auch die Bahnver­waltung jedes Gesuch ab, den Bautermin mit Rücksicht auf die verschiedenen Zwischenfälle zu verlängern. Doch wer wagt, gewinnt, und jede Befürchtung erwies sich zuletzt als unberechtigt. Im Jahre 1915 kam der große Tag, der den Die In­Durchschlag im Mittelpunkt des Tunnels brachte. genieure und Arbeiter der Nord- und Südkolonne fielen sich bei der Begegnung in die Arme und konnten unter Jubel fest­stellen, daß die Abweichung von der Fluchtlinie nur wenige Zentimeter betrug, so daß nennenswerte Nacharbeiten nicht nötig waren. Die im Jahre 1911 begonnene Arbeit war um Jahre früher beendet, als vertraglich vorgesehen war. Eine hohe Zeitprämie für die schnellere Fertigstellung der Arbeit damit war verdient. Ein Festmahl, das Berger gab, vereinigte Vertreter der Schweizer Regierung und der Deutschen Gesandtschaft, die leitenden Beamten der beiderseitigen Eisenbahnverwaltungen, prominente Fachleute und die ausführenden Ingenieure zu einer frohen Feier. Jedem Gesicht sah man die Freude an über das gelungene Werk, die Freude, von der schon Schiller sagt: ,, Alle Menschen werden Brüder, wo Dein sanfter Flügel weilt." Die Nachricht von dem glücklichen Verlauf des Tunnel­baus durchlief den Erdball. Mit einem Schlage hatte Ber­ger sich Weltruf erworben. Er stand jetzt auf der Höhe des Lebens, dessen sechstes Jahrzehnt er erreicht hatte. machte ihn zum Vorsitzenden seiner Berufsgruppe und be­dachte ihn mit Titeln und Orden.

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Als der Weltkrieg vorüber war, nahm er als einer der ersten die Verbindungen mit dem Auslande wieder auf und erhielt Bauaufträge aus aller Welt. Unsere Bilder zeigen besser als Worte die Großartigkeit und auch die Vielseitig­keit des. Arbeitsgebiets von Julius Berger.

Seine universelle Begabung als Bauunternehmer, Fi­nanzmann und sogar als Diplomat kam so recht zur Geltung, als ihn das osmanische Reich zur Erbauung von fast 500 Kilo­meter Bahnstrecke heranzog. Objekt ca. 80 Millionen Gold­

mark.

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