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Julius Berger und das Dritte Reich / Bruno Marcuse
Entstehung
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aufträge auch von weitergelegenen Baustellen, stellte Tech­niker zur Beaufsichtigung derselben ein, ließ tüchtige Arbei­ter zu Rottenführern und Schachtmeistern aufrücken, kurzum vergrößerte seinen Betrieb. So ging es langsam aufwärts, bis ein Ereignis eintrat, das das ruhige Leben der beiden Menschen jäh unterbrach.

Es war zwei Jahre nach der Geburt der ersten Tochter, als Berger nachts müde von der Reise nach Zempelburg heimkam. Um seine Frau nicht im Schlafe zu stören, legte er sich leise hin und schlief ein. Bald aber weckt ihn Brand­geruch und ein Knistern im Gebälk wieder auf. Feuer! Kaum hatte er Zeit, seine Frau zu wecken, das Kind auf den Arm zu nehmen und das Freie zu suchen, da leckten auch schon die Flammen an den Wänden hoch und züngel­ten an den Möbeln empor. Ein Funkenregen sprühte auf die Straße, Hitze und Qualm wurden unerträglich. Wo blieb die Feuerwehr, seine freiwillige Feuerwehr? Bestand sie ihre Feuerprobe? Gewiß, auch sie kam. Aber zu retten war nichts mehr. In einer einzigen Stunde war das Heim ver­nichtet. Das junge Ehepaar saß buchstäblich auf der Straße.

Was nun? Das alte Ehepaar Berger war inzwischen ge­storben, das Fuhrgeschäft ganz zurückgegangen und das Baugeschäft an den kleinen Ort überhaupt nicht gebunden. Zempelburg lag abseits des Verkehrs, was manchen Nachteil mit sich brachte. So verlegte Berger seinen Wohnsitz nach Bromberg , wo sich bald eine passende Wohnung für ihn fand. Dort gab es schon einige Baugeschäfte, die sich in die städtischen Aufträge teilten. Letztere bestanden in Straßen­bauten, Kanalisationsanlagen, Pflasterungen und dergleichen. Die ansässigen Firmen betrachteten Berger als Eindringling und hätten ihn gern wieder hinausgebracht. Aber auf dem Wege gegenseitiger Unterbietung hatten schließlich alle nur Schaden, und deshalb fand man sich mit der vollendeten Tatsache ab und ließ den Zugezogenen gelten. Berger ar­beitete wie immer gut und zuverlässig, bezeigte Gemein­sinn und erwarb sich bald das Vertrauen der städtischen Kollegien von Bromberg . Man berief ihn in den Ausschuß für Bauten und Grundstücksfragen.

Die Stadt brauchte Geld und wollte ein großes Gelände an der Peripherie verkaufen. Das ließ sich im Ganzen nicht machen. Trotz vieler Bemühungen fand sich kein geeigneter Käufer dafür. ,, Herr Berger," sagte der Oberbürgermeister gelegentlich einer Sitzung ,,, Sie sind doch Fachmann, welchen Rat würden Sie uns geben?"

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