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besten Sachen aus. Solche Gedanken wirst Du dir aus dem Kopf schlagen müssen."
" Was Du sagst, bestärkt mich in meinen Plänen und schreckt mich nicht ab", erwiderte Julius, denn ich esse auch gern gut und reichlich, und Wein schmeckt gewiß besser als Lindenblütentee. Etwas aufbauen können, etwas schaffen, das Bestand hat, an große Dinge herangehen und sie mit Fleiß vollenden, das ist das, wonach ich strebe. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagte neulich erst unser Lehrer."" Vergiß nicht, daß Du der Sohn eines kleinen Fuhrmanns bist", bendete der Vater das Gespräch.„ Die Trauben sind doch zu sauer für Dich." Und so wünschte man sich eine gute Nacht und ging schlafen.
Ueber die Lehrzeit von Julius ist wenig zu sagen. Be-' merkenswert ist, daß er in diesen Jahren Dinge kennen lernte, die ihm außerhalb des Berufes Freude machten und von Nutzen sein sollten. Der Onkel erweckte in ihm das Verständnis für gute Musik und brachte ihn in einen Gesangverein, an dessen Uebungen er regelmäßig teilnahm. Auch einer Turnvereinigung trat er bei. Er lernte junge Leute seines Alters kennen, und sie machten gemeinsam Ausflüge in die wald- und wasserreiche Umgebung Berlins .
Neue Seiten des Lebens lernte er kennen in Jahren, in denen junge Menschen für die Eindrücke von Natur und Kunst aufnahmefähig werden. Das einfache Landkind erhielt in der, Großstadt eine Fülle von Anregungen, die es vor Einseitigkeit bewahrten, ihm Sicherheit im Auftreten und Selbstvertrauen gaben.
Was ist das Leben in Zempelburg dagegen?" So fragte er sich jetzt oft. Morgens geht's an die Arbeit, abends hört sie erst wieder auf. Dann sinkt man müde ins Bett, und so wiederholt es sich jeden neuen Tag. Anregungen kennt man wenig, und die Geselligkeit steht auf keiner hohen Stufe. Er nahm sich vor, seine Berliner Erfahrungen einmal zu aller Nutz und Frommen praktisch zu verwerten, und das ist der Gewinn dieser Jahre gewesen.
Als er nach beendeter Lehrzeit nach Zempelburg zurückkehrte, fand er den Ort wenig verändert. Der Vater war gealtert und sein Fuhrgeschäft sehr zurückgegangen. Der Sohn mußte nun tatkräftig eingreifen. Aber gleichzeitig blieb er auch dem Vorsatz treu, den er in Berlin gefaßt hatte. Er gründete einen Turnverein und eine freiwillige Feuerwehr für den Ort, deren Leitung er ungeachtet seiner Jugend über
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