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Julius Berger und das Dritte Reich / Bruno Marcuse
Entstehung
Seite
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wie ein Symbol erscheint ihm der Strom, der mächtig und unablässig sich der Ostsee entgegenwälzt:

Durch Wolkenfeßen der Himmel blaut, des Eises Scholle am Pfeiler sich staut.

Es bersten und krachen des Stromes Decken, wo Brückenträger sich mächtig recken. Wir sehen die Blöcke, die Winterszeiten

im Frost geschaffen, stromabwärts gleiten,

auf strudelnden Fluten, in frischem Wind

dem Meere zu das Geschiebe rinnt.

Es hüpfen die Wellen, sie gleiten und schweben bestrahlt von der Sonne ins neue Leben: Dem Jüngling gleich, der bewußt seiner Kraft den Weg in das tätige Leben sich schafft. Ein brausendes Vorspiel ist es für die

gewaltige Frühlingssinfonie.

Nachdenklich nahm Julius Abschied von der Stätte seiner Kinderjahre und überdachte dabei die Gespräche der ver­flossenen Woche. Er sah sich abends am Eẞtisch sitzen, die Petroleumlampe blakte ein wenig, und auf dem Kochofen dampfte das Wasser für den Tee. Die Mutter richtete das Abendbrot an, die jüngeren Geschwister lasen ihre Schul­arbeiten durch oder spielten. Der Vater trat ein, schüttelte den Schnee aus dem Pelz und lehnte die Peitsche in die Ecke. Nebenan im Stall stampften und schnaubten die vom Tagewerk ermüdeten Pferde.

,, Die beiden Bauunternehmer aus Schlesien , die ich heute gefahren habe, schritten den Streckenabschnitt der geplanten Eisenbahnlinie ab", erzählte während des Abendessens der Fuhrmann Berger den Seinigen. Zum Frühjahr soll, wie ich hörte, mit den Erdarbeiten begonnen werden. Dann gibt es wieder für längere Zeit zu schaffen im Kreis- Bezirk. Es soll mir recht sein, denn die Pferde sind für die Landwirtschaft allein nicht ausgenutzt. Sie bekommen im Winter steife Beine im Stall und fressen das auf, was sie in der Erntezeit eingebracht haben."

Sein Sohn Julius unterbrach ihn: Vater, wenn die Eisen­bahn erst fertig ist, was wird dann aus dem Fuhrgeschäft werden?"

Der alte Berger stopfte sich die Pfeife: Ja, mein Sohn, darum wirst Du dich später selbst kümmern müssen, wenn Du das Geschäft einmal übernimmst. Sicher wird uns die Bahn viele Frachten fortnehmen. Ich bin zu alt, um jetzt noch um­

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