das Lager wankten und draußen im Dunkel verschwanden, um nirgends wieder aufzutauchen, manches angstvoll und doch zugleich trostvoll gebetete stille Vater unser nachgefolgt ist.
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Es ist müssig, darüber nachzudenken, wer wohl mehr gelitten, ausgehalten und durchgemacht hat: die Soldaten im Felde, oder die Gefangenen in den Konzentrationslagern. Aber ein Unterschied war da jedenfalls: wir in den Konzentrationslagern haben wenn denn von Leiden geredet werden soll- ,, gelitten außen vor dem Tor" ( Hebräer 13, V. 12), d. h. wir waren von unseren Familien, von Weib und Kind, von Volksgenossen und Gemeinde, von all dem waren wir nicht bloß eben getrennt, sondern wir waren aus der Familie, aus der Volksgemeinschaft, ja überhaupt aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen, wurden schon vor der Verhaftung sogar in der Kirche, ja hier und da in der eigenen Gemeinde mit Miẞtrauen und vorsichtiger Zurückhaltung behandelt, waren weggeworfen auf den Schindanger, auf den Aashaufen der Völker. Und man kann uns schon glauben, daß uns das geschmerzt hat. Es hat uns weh getan, und ich wüßte von mancher Gelegenheit zu sagen, wo mir nicht bloß verhaltener Grimm, sondern wo mir die Scham das Blut ins Gesicht getrieben hat.
Aber da hat dann schließlich und auf die Dauer etwas ganz anderes förmlich durchgeschlagen, nämlich das Gedenken daran, daẞ ja auch der Herr Christus gelitten hat ,, außen vor dem Tor", vor den Toren der Königsstadt, die sich zum Feste rüstete, gelitten auf Golgatha, der Schädelstätte der Verbrecher, als ein Ausgestoßener, der nicht mitfeiern durfte, obwohl gewiß auch er„ gern wollte hingehen mit dem Haufen und mit ihnen wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken unter dem Haufen, die da feiern" ( Psalm 2, V. 5), gelitten als Einer, der da ,, hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte; er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmer
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