Druckschrift 
Gott im Konzentrationslager / Kurt Walter
Seite
8
Einzelbild herunterladen

eingeborenen Sohn gab", hat auch uns im Lager in unserer Niedrig­keit, in unserer Schmach, in unserem Verachtet- und Ausgestoßen­sein gnädig heimgesucht und nicht, weil wir es von uns aus wert waren, sondern um seines Sohnes willen sich zu uns bekannt als unser Vater. Wir, die wir nach Leib und Seele ja, auch nach der Seele einem langsamen Sterben überantwortet waren, wir, unser Leib und unsere Seele, haben davon gelebt, wirklich davon gelebt, daẞ immer wieder Gottes Wort, seine Zusage und Verheißung, zu uns kam.

-

An kleinen Dingen, die für uns aber den Tag, das Leben be­deuteten, ist uns das immer wieder aufgegangen. Wir haben auf so engem Raume gelebt, wie wir es früher alle nicht für möglich ge­halten hätten; die enge, die immer und überall unausweichliche, jeden einzigen Schritt hemmende, drängende Menschenfülle, die gänzliche Unmöglichkeit Jahre hindurch, auch nur einen einzigen Augenblick und irgendwo einmal allein zu sein, war eine der ärgsten körperlichen Plagen und nervösen Belastungen des Lagerlebens, die die Nerven reizte und spannte und auf die Dauer das Gemüt ver­ärgerte. Aber wie oft ist da zu mir das Psalmwort( 31, V. 9) ge­kommen: ,, Du stellest meine Füße auf weiten Raum!" Und ich habe erfahren dürfen, wie Gottes Wort in seiner ganzen Unwahrschein­lichkeit dennoch Wahrheit wird für den, der dem Worte glaubt und sich ihm anvertraut, habe spüren dürfen, wie der unsagbar enge Raum weit wurde unter dem zuerst mit zagendem Zweifel und dann mit zunehmendem Glauben gebeteten Wort: ,, Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn!", es ist unmöglich, aber Du kannst es, Du tust es ,,, Du stellest meine Füße auf weiten Raum."

Es ist uns ganz ernst und volle, deutliche Wirklichkeit geworden, was geschrieben steht: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht." Und der inmitten von Hungersnot, Seuchen und Gewalttat, inmitten von zehntausendfachem Sterben der Menschen und in eige­

8