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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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sprengt, Verpflegungs- und Bekleidungslager sinnlos vernichtet. Kanäle liefen aus. Weizenmühlen wurden angezündet, Hundert­tausende von Säcken mit Getreide wurden ein Raub der Flammen. Später kamen hungernde Menschen und suchten die verbrannten Körner aus der Asche. Not und Elend, Tod und Vernichtung überall. Noch am Palmsonntag wurde im Zuge der Bekämpfung des letzten deutschen Widerstandes die Innenstadt von Münster tödlich getroffen. Die stählerne Walze des Krieges rollte über unsere Heimat hinweg. Zerstörung und Tod zeichneten diesen von Wahn­sinn und Verbrechen gewollten Weg. Es waren die in vielen Reden so großsprecherisch hinausgeschrienen letzten Minuten, die letz­ten Minuten bis fünf nach zwölf-.

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H. M.-W.

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Flüchtlingsströme

aus dem Osten

Eisiger Nordwind pfeift über die Landstraße. Sie ist übersät von Fuhrwerken, von Wagen und Fußgängern, von Zivilisten und Sol­daten. Sie sehen alle abgehetzt und zerlumpt aus, müde und ab­gespannt, hoffnungslos und verzweifelt. Wie ein Strom ergießen sich diese Menschenmassen aus den östlichen Bezirken des Reiches in das Innere, auf der Flucht vor dem Terror des Krieges, vor den Schrecknissen der Verwüstung, vor tausendfachem Mord und Ver­derben, das überall lauert und jede Minute über sie hereinbrechen kann mit der ganzen Brutalität einer Naturkatastrophe. Aus den Gesichtern der abgerissenen Soldaten ist jeder Funke auf Hoffnung, jeder Wille zum Widerstand gewichen, seitdem der Zusammenbruch der Armee eine vollendete Tatsache ist. Jeder sucht der sicheren Gefangenschaft, die seiner wartet, nach Möglichkeit zu entkommen. Jeder ist auf sich selbst gestellt, losgelöst aus dem Verband seiner Truppe.

Aber ergreifender ist das Bild all der Frauen, der Greise und Kin­der, die, notdürftig angezogen, mit dem kümmerlichen Rest ihrer Habe eng zusammengepfercht auf großen Wagen hocken, die von abgetriebenen Pferden gezogen werden. Auch die Fußwege der Straße sind von Menschen überfüllt. Ab und zu stockt der Verkehr. Dann staut sich die Menge, und das ganze Leid dieses trostlosen Aufzuges scheint sich in einem Brennpunkte zu sammeln. Eine junge

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