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Hitler-Geißel über Westfalen : eine Bilanz der Nazi-Zeit / Dr. Josef Hundt, Heinz Meyer-Wrekk
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Vater ist verschollen seit Stalingrad, die Mutter gab ihr Leben auf der Landstraße hin. Mit ihrem hellen Stimmchen erzählt sie auf- geregt, wie in Rhede ein toter Mann auf der Straße lag.

,, Er war so gelb im Gesicht, und das Blut lief ihm aus dem Mund heraus. Oh, es war so komisch."

Gespräche eines Kindes. Gedanken einer kleinen Mädchenseele, der Not und Tod, Blut und Elend vertraut geworden sind. Keine Stati­stik vermag die schweren Schäden des Krieges an dem kostbaren Menschengut unseres Volkes zu erfassen!

Bocholt steht seit zwei Tagen in Flammen. Ortschaften links und rechts fallen in Schutt und Asche. Der Strom der Flüchtigen wird breiter, das Elend größer mit jedem Tag. Unten im Klosterhof zerrt ein struppiger Hund mit verkrustetem schwarzen Fell die blutigen Reste eines Menschenbeines aus einem Korb. Ein Kind steht in der Sonne und schaut ihm zu. Die Luft erzittert vom Gedröhn der schweren Bomber, die von Westen nach Osten fliegen. Ein Stabsarzt in blutbesudeltem Kittel streicht mit dem Handrücken über die feuchte Stirn. Die Amerikaner stoßen auf Würzburg vor. ,, Wahn­sinn", sagt der Arzt und schüttelt den Kopf. ,, Sie sollen endlich Schluß machen mit dem Verbrechen hier." In westlicher Richtung zieht in leichter Kurve ein Verband zweimotoriger Kampfflugzeuge ab. Die Erde erbebt unter der Wucht der fernen Explosionen. Von Südwesten ist ein neuer Verband im Anflug begriffen. Neue Bom­ben, neue Zerstörung, neues Elend, immer neuer Tod.

Die deutsche Abwehr schweigt. Sie ist zerschlagen, am Ende ihrer Kraft. In Berlin aber sitzt ein Mann, der Hitler heißt und der es liebte, mit donnernder Stimme zu verkünden, er habe nichts als einen einzigen Trümmerhaufen vorgefunden, als er die Macht über das deutsche Schicksal ergriff. ,, Jedes Haus eine Festung! Lieber tot als Sklav'!" Das sind jetzt die Parolen des Wahnsinns, die seine hörigen Vasallen an Häuser und Mauern schreiben.

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, Werft die Waffen fort!" rufen gepeinigte Menschen den Sol­daten zu.

An den Ästen eines Baumes am Straßenrand hängen, durch den Strang gerichtet, die toten Körper von zwei Soldaten, die, des Wahn­sinns müde, den hoffnungslosen Kampf nicht weiterkämpfen woll­ten. Wo gab es einen Ausweg aus der Not des Gewissens? Die Schergen jenes verbrecherischen Mannes, der sich Hitler nannte, waren überall im Lande. Vernichtung war die Parole,- kämpfen bis zum Allerletzten, hieß der Befehl.

So schossen Kinder und Greise die letzte Munition aus schlechten Waffen. Brücken flogen in die Luft. Eisenbahngleise wurden ge­

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