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Synagogen brannten...
1938! Eine ruhige Novembernacht bricht an. Während Millionen deutscher Bürger friedlich in ihren Häusern sind und schlafen, ge- schieht etwas Furchtbares, etwas, das den Namen Deutschlands für immer schändet. Um drei Uhr trommeln Kommandos der SA und SS ihre Spießgesellen aus ihren Betten, formieren sich zu Kolonnen und beginnen ihr schauervolles Vernichtungswerk. In dieser dunklen Nacht, einer der schwärzesten der deutschen Geschichte, hat der Genius der deutschen Nation sein Haupt verhüllt und sich abge- wandt. Es geschieht in Westfalen ebenso wie im Rheinland und in allen anderen Bezirken des Deutschen Reiches.
Eine Stunde später brennen die Synagogen. Lodernder Feuerschein umzüngelt die Giebel jüdischer Gotteshäuser. Von bübischer Hand entzündet, frißt sich die Glut prasselnd durch das Innere der kirch- lichen Gebäude, ergreift die Vorhänge der Fenster, das Schnitzwerk ‚der Altäre und Bänke. Häuser, dem frommen Dienst und der An-
.betung Gottes geweiht, sinken in Schutt und Asche. Ein grauen-
hafter Anblick, wie die Flammen aus den Türen der Synagogen schlagen, wie dichter Qualm aus den Fensteröffnungen quillt und wie jüdische Menschen der Stätte beraubt werden, die ihnen heilig ist.
1083 Synagogen sind in dieser einen Nacht in Westfalen vernichtet worden.
Aber die Brandstifter sind noch nicht zufrieden. Blindwütiger Ver- nichtungswille und gemeiner Haß, diese Instinkte beherrschen sie in dieser nächtlichen Stunde, treiben sie gierig weiter. Die Schau- fenster jüdischer Geschäfte in allen Städten und Orten Westfalens und ganz Deutschlands werden zerschlagen, ihr Inhalt fliegt auf die Straße, wird geplündert. Die Wohnungen der Juden werden aufgesucht. Die. Inhaber werden aus ihren Betten gerissen, geschlagen, im Hemd auf die Straße gejagt. Dort läuft ein alter Jude in panischer Angst über holpriges Pflaster. Die Schergen Hitlers ver- folgen ihn, brüllen, hetzen ihn, wie man ein räudiges Vieh jagt. Der Greis rennt, er rennt um sein armes, gequältes Leben. Er stürmt so schnell, wie ihn seine alten Füße noch tragen können.
“ Und hinter ihm die Meute der rohen Verfolger. Er hetzt, stürzt
und bleibt keuchend liegen wie ein wundes Tier. Todesangst in seinen halb erloschenen, nun weit aufgerissenen Augen. Ein SA-Stiefel tritt ihn gegen Leib und Kopf. Ein Märtyrer stirbt auf dem Straßenpflaster einer deutschen Stadt. Ein paar Häuserviertel weiter eine ähnliche Szene. Hier prügelt man ein jüdisches Ehepaar
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